Gertrud Blaschitz

 

 

 

Die Beziehung des Menschen zu seinen Haustieren Hund und Katze*

 

Das Ziel dieses Aufsatzes ist, das Verhältnis des Menschen zu den beiden in unserem Kulturkreis häufigsten Haustieren im Laufe der letzten Jahrhunderte unter einer bestimmten Perspektive zu betrachten. Die Domestikation des Hundes erfolgte im Mesolithikum. Der canis familiaris ist das älteste Haustier.[1] Seine Jagdqualitäten, aber auch gesellschaftliche Eigenschaften wie Anhänglichkeit, Treue, Wachsamkeit, Gehorsam machten den Hund von Anbeginn seiner Domestikation bis in die Gegenwart zum beliebten Gefährten des Menschen. Die Karriere der Katze als Haustier – felis domestica - begann relativ spät: Sie wurde ab etwa 1600 v. Chr. von den Ägyptern domestiziert.[2] Mit dem Hund gehört sie zu den wenigen domestizierten Tieren, die weder eines Käfigs noch eines Zaunes oder einer Anbindevorrichtung bedürfen, um beim Menschen zu bleiben, mit dem Unterschied, daß Katzen einen Unabhängigkeitsdrang an den Tag legen, der für Hunde uncharakteristisch ist. Die Katze war zur Zeit ihrer Verbreitung in Europa, etwa im 4. Jh. n. Chr., ein beliebtes Haustier: sie wurde in dieser Frühzeit in den schriftlichen Quellen überwiegend positiv gesehen. Nach darauffolgenden Jahrhunderten der Verachtung erlebte sie erst im Laufe des letzten Jahrhunderts eine Renaissance als beliebtes Haustier. Eine Arbeit zur Geschichte der Beziehung des Menschen zu den beiden in Europa häufigsten Haustieren birgt eine ganze Reihe kulturhistorischer Erkenntnismöglichkeiten: Mit den Fragen der Bedeutungsforschung und der Symbolik soll dieser Versuch begonnen werden, da sie die Basis für alle anderen Bereiche darstellen. Nicht uninteressant ist die mentalitätsgeschichtliche Seite, da dieser Aspekt in engem Zusammenhang mit dem Themenkreis Tierhaltung steht. Der Blick auf die Umweltgeschichte führt zum zentralen Thema dieses Aufsatzes, zum Aspekt der wirtschaftlichen Nutzung der Tiere. Die Betrachtung der sozialgeschichtlichen Stellung jener Bevölkerungsgruppen, die mit der wirtschaftlichen Nutzung befaßt waren, soll das Thema abrunden.

Als Untersuchungszeitraum gilt die Epoche vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart, Untersuchungsgebiet ist der deutsche Sprachraum.[3] Gegenstand der Untersuchung sind nicht die "edlen" Hunde des Adels und des begüterten Bürgertums, die eine bevorzugte soziale Stellung als Jagd- und Gesellschaftshunde innehatten. Vielmehr sind hier allein Hund und Katze als "Nutztiere" von Interesse: die "gemeinen", "gewöhnlichen" Hunde der Bauern und Handwerker, die Straßenköter, - Hunde, die in den untersten sozialen Schichten eine wichtige Rolle spielten. In diesem Aufsatz geht es im wesentlichen nicht um die Nutzung der natürlichen Fähigkeiten dieser Haustiere, sondern es geht um die Bedeutung von Hund und Katze als Schlachttiere beziehungsweise um die wirtschaftliche Nutzung bereits verendeter Tiere: Die Verwertung von Hund und Katze als Rohstofflieferanten steht im Mittelpunkt.

 

 

1. "Wie Hund und Katz zusammenleben": Die symbolische Bedeutung des Hunde- und Katzenmotivs in den schriftlichen Quellen des Mittelalters[4]

 

Bî hunden und bî katzen/ was ie bîzen unde kratzen (aus: Freidanks "Bescheidenheit", um 1220/1230)[5] Beabsichtigte Freidank mit der Aufnahme dieser Sentenz in sein Werk eine realitätsnahe Schilderung des Verhaltens dieser beiden Haustiere? Oder bezweckte er, das Verhältnis von Hund und Katze zueinander als Spiegel für menschliches Verhalten einzusetzen? Aus dem Kontext der "Bescheidenheit" [d.h."Urteilskraft"] wird deutlich, daß es Freidank nicht um Mitteilung trivialer Naturbeobachtung ging. Freidanks Spruchdichtung ist zeitlose, religiös geprägte Weltweisheit. Seine Auffassung von der Schöpfung ist, daß es nichts auf der Erde gibt, das nicht eine Bedeutung in sich hat. Er steht damit in einer Tradition, die im "Physiologus" (200 n. Chr.) formuliert wurde und jahrhundertelang Gültigkeit hatte: "Jedes Tier existiert auf drei Ebenen: real, symbolisch und allegorisch". Interpretieren wir die Aussage Freidanks auf der "realen" Ebene, so könnte er eigene Naturbeobachtung zur Grundlage seiner Sentenz gemacht haben, wobei er sich offenbar keine Gedanken über die Richtigkeit der naturkundlichen Aussage gegenüber der Erfahrung gemacht hatte. Seine Sentenz (über die naturgeschichtliche Ebene hinaus) in den Bereich der Symbolik weitergeführt, bedeutet, daß diese Tiere zwei verschiedene Welten repräsentieren, daß sie eine Antithese versinnbildlichen, daß Eigenschaften wie Treue, Klugheit, Wachsamkeit gegen Falschheit, Treulosigkeit, Unbeständigkeit, Lüsternheit stehen. Auf der allegorischen Ebene sind Hund und Katze ein Gleichnis für "Gut und Böse", für die Welt als Kampfplatz der himmlischen und teuflischen Mächte. Die Ursachen dieser Vorstellung liegen bei beiden Tieren in den biologischen Eigenheiten und in den Bibelnennungen begründet. Die Nennung des Hundes in der Bibel ist von Verachtung geprägt[6] (vgl. Psalm 59,7.15. Jer.15,3. II Mos.22,31. I.Kön 21,19ff), was real vermutlich auf die vielen herrenlosen "Pariahunde" abzielte, deren wichtigste Funktion Unratvertilgung war und denen sogar die Leichen der Feinde vorgeworfen wurden. Daneben gab es auch schon in der Antike den Hund als Helfer, Begleiter und Wächter, der einen hohen Stellenwert im Leben des Menschen einnahm. Die Haustiere und Jagdgefährten des Adels wurden schon bald aufgrund ihres vom Menschen anerzogenen Verhaltens zum Sinnbild für Loyalität, Treue, Gehorsam (Abb. 1). Die Bezeichnung "Hund" galt sogar als ehrendes Attribut. Im österreichischen Ministerialengeschlecht der Kuenringer tragen Heinrich III. (gen. 1204-1233), Hadmar III. (gen. 1204-1231) und Heinrich V. (gen. 1224-1240) diesen Beinamen.[7] Die einzige Katzennennung der Bibel steht im Zusammenhang mit Götzen. Diese Tatsache im Verein mit ihren biologischen Eigenschaften begründet die Symbolwerdung der Katze und die negative Besetzung dieses Symbols.[8] Die Katze wird in den schriftlichen Quellen des Mittelalters (Naturgeschichten, Fabeln, Tugend- und Lasterspiegeln) ein Symbol für Dämonen und den Teufel und/oder für Laster, Sünden, Hauptsünden. Den Höhepunkt der mittelalterlichen Katzenverachtung bildet das "Handbuch" für die Hexenverfolgung, der "Hexenhammer" des Dominikaners Heinrich Institoris (1430-1505).[9] Er berichtet nicht nur von Hexen in Katzengestalt, sondern "erläutert" auch das sprichwörtlich schlechte Verhältnis von Hund und Katze: Die Katze sei "das ständige Sinnbild des Ungläubigen [...] wie der Hund das der Prediger [...]". Eine "aufschlußreiche" Etymologie darf noch ergänzt werden: Die Dominikaner leiteten ihre Ordensbezeichnungen nicht nur von ihrem Gründer, dem Hl. Dominikus (1170-1221) ab, sondern erklärten sich auch mit domini canes als die Spürhunde oder Prediger Gottes.[10] So unglaublich diese Mentalität für uns Menschen des 20. Jahrhunderts im allgemeinen ist, so ist doch erwiesen, daß viele Zeitgenossen des "Hexenjägers" an die Existenz von Hexen und an Hexerei (besonders ihrer weiblichen Zeitgenossen) glaubten. Selbst bei vorreformatorischen Kirchenkritikern wie Sebastian Brant (1457-1512) und dem Prediger Geiler von Kaisersberg (1445-1510) ist der Hexenglaube vorhanden.[11] Geiler von Kaisersberg hielt in der Fastenzeit des Jahres 1508 in Straßburg den Predigtzyklus "Emeis".[12] Für die zweite Hälfte dieser Predigtsammlung stellte der "Hexenhammer" die wichtigste Quelle dar.[13] Für Geiler waren Hexen ohne die Hilfe des Teufels, dem er großen Spielraum in der Welt einräumte, machtlos. Ihre Funktion sei die Zeichensetzung, womit sie dem Teufel signalisierten, was er tun, wem er schaden sollte.[14] Die "Emeis" wiederum bildete die wichtigste Quelle für die Hexenbilder Hans Baldung Griens.[15] Die Katze ist nun unerläßliches Attribut der Hexe. Und dies aus mindestens zwei Gründen: Sie ist die Epiphanie des Teufels und der Dämonen und aufgrund ihrer Eigenschaften Symbol für "Wollust". Bezeichnenderweise verfügen die  Hexendarstellungen Baldungs über  hohe erotische Qualität.[16] Baldungs Hexen sind selten alt und häßlich, er stellt sie meist als gut gebaute, verführerische junge Frauen dar (Abb. 2). Seine Akte lassen die Magie, den der weibliche Körper auf die Christen des ausgehenden Mittelalters ausübte, ahnen. Der Zauber der weiblichen Gestalt wurde von manchem Gläubigen als drohende Verzauberung empfunden. Die Macht, mit der eine Frau als sexuelles Wesen den Mann "behexen" konnte, wurde gefürchtet. Die Katze als Attribut der Baldungschen Hexen ist demnach nicht nur ein Symbol des Teufels und der Dämonen, sondern darüber hinaus ein Symbol für "Wollust" und  für Unkeuschheit. Im Falle des Hundes dominierten bei der Symbolwerdung seine vom Menschen positiv empfundenen Eigenschaften. Bei der Katze aber führten die meisten Eigenschaften, unter dem Einfluß der geistlichen Tugend- und Lasterlehre betrachtet, zu ihrem negativen Image.

 

2. Die Einstellung des Menschen zu Hund und Katze

 

Aus den obigen Ausführungen sollte deutlich werden, daß die sprichwörtliche Feindschaft zwischen Hund und Katze eher der symbolischen und allegorischen Betrachtung als der empirischen Naturbeobachtung entspricht. Seit Jahrhunderten bemühen sich Autoren, auf die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens der beiden Haustiere hinzuweisen.[17] Die Deutung des oben angeführten Sprichwortes geht auch nur bei Betonung der "positiven" Eigenschaften des Hundes auf. Auf welche Hunde treffen aber die Adjektiva "hündisch", "hundsgemein" und "hundsmiserabel" zu? Sind Metaphern wie Hundsfott, feiger Hund, krummer Hund einem Rassehund angemessen? Oder werden damit die "unedlen", die "gemeinen" Hunde der Handwerker und Bauern charakterisiert, denen es mitunter sicher "hundeelend" ging? Evident ist die geringe Bewertung beziehungsweise die Mißachtung der "gewöhnlichen" Hunde, der Hunde der Handwerker und Bauern oder gar des streunenden Hundes durch die Angehörigen der anderen sozialen Gruppen vom Mittelalter bis ins 20. Jh. Der materielle Wert der Rassehunde, besonders der Jagdhunde, war hoch.[18] Jagd- und Gesellschaftshunde waren entsprechend edle Geschenke.[19] Adelige Repräsentation, vielleicht auch emotionelle Bindung, waren die Ursachen für ein Verhalten, das über das Mittelalter hinaus in schriftlichen und bildlichen Quellen gerügt, verboten und dargestellt wird: nämlich die Mitnahme von Hunden zum Gottesdienst.[20] Dieselben Motive erklären die Hundehaltung durch höhergestellte Geistliche aber auch durch Mönche und Nonnen in Klöstern.[21] Klöster konnten allerdings auch zur sogenannten Hundslege verpflichtet werden.[22] Der Angst vor der tödlichen Tollwut begegnete man auf verschiedene Weise: Es gab Hundeheilige, die um Hilfe angefleht wurden: Hubert von Lüttich, Vitus (einer der 14 Nothelfer) und Rochus. Zum Schutz vor tollwütigen Hunden trugen manche Personen sogenannte Hubertus-Riemchen im Knopfloch, Jagdhunde wurden prophylaktisch in Buizingen (Belgien) mit Hubertus-Schlüsseln gebrannt und mit Hubertus-Brot gefüttert.[23] Das "durchschlagendste" Verfahren gegen diese Gefahr war allerorten das Hundetotschlagen; es wurde aber (wie unten ausgeführt wird) vorzugsweise bei den "unedlen" Hunden angewandt. Es gab auch einen "heiligen Hund", den Bauern wie einen Märtyrer verehrten, zu dem sie um Hilfe bei Krankheiten und anderen Nöten beteten.[24]

Über die gefühlsmäßige Bindung, die viele Hundebesitzer zu ihren Tieren empfanden, existieren zahllose Quellenbelege. Dagegen gibt es in den Quellen vom Spätmittelalter bis ins frühe 19. Jh. keinen Hinweis darauf, daß der Mensch eine emotionale Bindung zur Katze gehabt hätte. Im Mittelalter überwog die negative Einstellung zur Katze. Zahlreich sind schon im Mittelalter die Sprichwörter,[25] die die Katze zum Inhalt haben. Sprüche wie: "Hüte dich vor Katzen, die vorne lecken, hinten kratzen", "Die Katze ässe wol gerne Fische, will sie aber nicht fangen", "Die Katze hat bald vergessen, dass sie das Licht halten muß" charakterisieren den nützlichen Vierbeiner als falsches, faules und untreues Tier. Relativ gering dagegen ist die Anzahl der Sprichwörter, die Katzeneigenschaften positiv hervorheben: die Katze lesst yhres mausens nicht, wo die katzen usserm haus, so reihen [tanzen] die meus, "Die Katze fällt immer wieder auf die Füße", Swa junger miuse laufet vil, da hebt die katze gern ir spil. Auf der Literalebene betrachtet, also wörtlich genommen, geben diese Sprichwörter die positiven Erfahrungen, die Katzenhalter über Generationen mit den Mäusefängern gemacht hatten, wieder; auf der symbolischen Ebene steht die Katze für den Teufel, die ihr ausgelieferte Maus dagegen für die menschliche Seele: die listige, meist siegreich durchgeführte Mäusejagd ist eine Allegorie auf die Jagd des Teufels nach der menschlichen Seele (Abb. 3). Über Jahrhunderte wurde die Katze als Dämon, als Verbündete der Hexen und als der "leibgewordene" Teufel gefürchtet. Katzen wurden rituell auf dem Scheiterhaufen verbrannt, verbrüht oder bei lebendigem Leib geröstet und vom Volk gejagt und getötet. Eine besondere Art der Katzenmißhandlung und der "Katzenmusik"[26] wurden im 16. Jh. in Belgien und Frankreich geboten: In einem nach Art einer Orgel eingerichteten Apparat wurden zwei Dutzend Katzen in nebeneinanderstehende Käfige eingesperrt. Die aus den Öffnungen herausragenden Schwänze der Tiere wurden mit der Tastatur so verbunden, daß die Katzen beim Niederdruck der Tasten aufheulten (Abb. 4). Die vorausgegangene Auswahl der Tiere war nach dem Kriterium der "Tonhöhe" erfolgt.[27] Noch Zedler, der aufgeklärte Enzyklopädist des 18. Jhs. bezeichnet sie als "falsch und tückisch".[28] Ein Beispiel aus dem Gebiet der Geologie belegt, wie sehr die "Falschheit der Katze" ein geflügeltes Wort geworden war: "Katzengold" ist seit Paracelsus eine Bezeichnung für Glimmer, der den Glanz und die Farbe des Goldes hat, aber nichts Metallisches enthält.[29] Mitunter dienten Katzen halbwüchsigen Adeligen als lebendige Zielscheiben und als Feindersatz bei ihren Waidwerksübungen. Ein später Beleg dafür ist nach Antal Festetics der Song des jugendlichen Kronprinzen Rudolf im Musical “Elisabeth”: “Wenn ich mich anstreng´, kann ich ein Held sein, gestern schlug ich eine Katze tot...” prahlt er. Üblicherweise wurde bei derartigen Übungen die Katze angebunden oder auf einen Baum gehetzt und tot geschlagen oder erschossen.[30]

Bereits im  16. Jahrhundert wurden in ärztlichen Kasuisitiken Tierallergien beobachtet und schriftlich festgehalten. Tierallergien wurden vor allem im Umgang des Menschen mit Pferden, Hunden und besonders Katzen festgestellt. Als Ursache allergischer Erkrankungen mancher Menschen bei Kontakt mit diesen Tieren wurden von Medizinern Tierhaare und bei der Katze "Emanation" angeführt.[31] Katzenallergien infolge einer Überempfindlichkeit gegen Katzenhaare oder Epithelien gibt es nach wie vor, dennoch trat im Laufe des letzten Jahrhunderts eine grundsätzliche Änderung im Verhältnis des Menschen zu den Feliden ein: Sie wurden allmählich beliebte Haustiere. Diese Entwicklung spiegelt die Literatur des 19. Jhs. wider, in der die Katze als literarische Tierfigur erstmals eine positive Rolle spielt. Die literarischen Katzen wurden vollkommen unbeeinflußt von der geistlichen Tierinterpretation geschaffen und sind das Ergebnis realistischer Naturbeobachtung; häufig wurden sie nach dem Vorbild geliebter Hausgenossen geschaffen. Die berühmtesten literarischen Feliden der deutschsprachigen Literatur des 19. Jhs. sind wohl der "Kater Murr" von E.T.A. Hoffmann und "Spiegel, das Kätzchen" von Gottfried Keller.[32] Diese liebenswerten tierischen Hauptfiguren mit ausgeprägtem anthropomorphen Gebahren bezeugen die gewandelte Einstellung des Menschen zur Katze. Die Literatur über Katzen ist mittlerweile nahezu unübersehbar. Als vorläufige Höhepunkte dieses Trends auf literarischem Gebiet sind sicherlich die Katzenromane "Felidae" und "Francis" von Akif Pirincci zu nennen. Ebenfalls auf kriminalistischem Gebiet bewegt sich der "Fernseh-Kommisar" Rex. Als weltweit erfolgreichste und bekannteste Bearbeitung des Katzenthemas ist das Musical "Cats" mit der Musik von Andrew Lloyd Webber nach 14 Gedichten aus T.S. Eliots “Old Possum´s book of practical Cats” zu bezeichnen. Das Musical wurde zum größten Erfolg vieler großer Theaterbühnen der Welt, es läuft es seit seier Uraufführung 1981 im Londoner West Ends mit ungebrochenem Erfolg in New York, London und Hamburg. “Memory”, der song der Glamour Katze Grizabella (Abb. 5) war von Beginn an ein Hit, der mittlerweile in mehr als 100 verschiedenen Versionen eingespielt wurde.[33]

Die einst die Mentalität beherrschende spirituelle Auslegung der Katzeneigenschaften beeinflußt nun im allgemeinen nicht mehr die Einstellung des Menschen zur Katze. Von einer Furcht vor der Katze wegen ihrer Empfänglichkeit für dämonische Einwirkungen kann keine Rede mehr sein. Sie ist heutzutage ein lieber Hausgenosse, oft sogar ein Partner; sie wird liebevoll behandelt und besitzt häufig den Status eines Familienmitgliedes. Eine andere Sicht der Dinge herrscht in manchen Kreisen der katholischen Kirche. Dort gelten nach wie vor Katzen, "am meisten die grauen, gefleckten und schwarzen" als besonders empfänglich für dämonische Strahlungen.[34]

 

 

 

3.Tierhaltung

 

Wie schon in der Einleitung erwähnt, geht es um das "gewöhnliche" Hundeleben des rasselosen Gebrauchshundes der Bauern, der Handwerker und um das "Katz aushalten", um das triste Katzendasein. Bedingt durch diese thematische Einengung ist die Quellenbasis zu diesem Aspekt sehr schmal. Hinweise über die Haltung der "nichtedlen" Hunde kann man Gesetzestexten entnehmen, die zur Wahrung der herrschaftlichen Jagd erlassen worden sind.[35] Die Jagd wurde im Laufe des Mittelalters Regal des Landesfürsten oder des jeweiligen Grundherren. Den Bauern und meist auch den Bürgern war sie untersagt.[36] Die in diesen Quellengruppen erlassenen Richtsprüche und Gesetze zielen auf den Schutz des herrschaftlichen Wildbannes sowie der Äcker und Weingärten, die sich zum Großteil ebenfalls in herrschaftlichem Besitze befanden. Ein generelles Verbot der Hundehaltung für Bauern scheint nicht auf. Die Haltung der "unedlen" Hunde wurde jedoch durch zahlreiche Ordnungen geregelt. Vorrangig wurde die Bewegungsfreiheit des Bauernhundes stark eingeschränkt: Er sollte beim Haus an eine Kette gebunden werden. Andernfalls war der Bauer verpflichtet, seinem Hofhund einen Prügel anzuhängen, der diesen beim Laufen stark behinderte. - Von einem rigoroseren Vorgehen der Herrschaft gegen Bauernhunde berichtet der Chronist Diebold Schilling in der Schweizer Bilderchronik:[37] Der Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann ließ 1489 sämtliche Bauernhunde töten, um in seinem Jagdvergnügen nicht behindert zu werden. Diese Stelle enthält eine Bemerkung zur Funktion der Bauernhunde: Wachdienst über das Haus und Schäferdienst über die Viehherde. Ein jüngerer Gesetzestext, der "Tractatus de juribus Incorporalibus" von 1675 im "Codex Austriacus"[38] enthält Details über die Haltung von Hirten-, Fleischhacker- und Müllerhunden: Auch sie mußten entweder an Ketten gehalten oder mit Prügeln behängt werden. Auch die prophylaktische Lähmung der Vorderläufe wurde vom Landesherrn empfohlen. Die Haltung großer Hunde war nicht gestattet, mit der Ausnahme zur Verteidigung gegen Bären und Wölfe. Neben den Hunden galt auch den Katzen der Untertanen das Interesse der herrschaftlichen Heger. Ihnen mußten in einigen Territorien die Ohren abgeschnitten werden (Abb. 6), damit sie – wegen des ungeschützten und wasserempfindlichen Innenohres - am frühen Morgen in den taufrischen Wiesen, Feldern und Wäldern nicht wilderten.[39] In diesem Zusammenhang sei gestattet, kurz auf die schon erwähnte "Hundelege" einzugehen: Es war dies die Verpflichtung der Untertanen (Bauern, Müller, später besonders der Abdecker) und mancher Klöster zur Aufzucht und Pflege eines Teils der herrschaftlichen Jagdhunde. Die Verköstigung der Jagdhunde wurde vorgeschrieben und stellte für die zu dieser Fron Verpflichteten oft eine große Belastung dar. Familiennamen wie Hundgeburth [aus mhd. gebur, Bauer], Hunder, Hundsmeier, Hundsmann oder Hundsnurscher leiten sich von dieser Dienstleistung ab.[40] Ebenso Ortsnamen wie etwa Hundsdorf oder Hundsheim.

Wie schon eingangs erwähnt, erlangte die Katze im Früh- und Hochmittelalter durch ihre Qualitäten bei der Nagetierbekämpfung bald große Bedeutung. Aufgrund ihrer Anschmiegsamkeit wurde auch sie zum "Gesellschaftstier": Chaucer schreibt über die verhätschelten Katzen in England.[41] Doch vom 13. Jh. an begann eine weitverbreitete Dämonisierung und Verteufelung, die von der katholischen Kirche initiiert und gefördert wurde und zu einer jahrhundertelangen Verfolgung führte. Auf dem Gebiet der Nagetierbekämpfung war der gefürchtete Vierbeiner dennoch im gesamten Tierreich unschlagbar. Aus diesem Grunde dürfte sie "geduldet" worden sein. Sie wurde im privaten Haushalt zum "Hausrat" gezählt;[42] sogar in Klöstern, wo sie die Getreidevorräte und die kostbaren Handschriften vor den unersättlichen Mäusen rettete, wurden ihre Dienste "gelitten".[43] Stark verbreitet war sie vermutlich dort, wo Mäuse, Ratten und andere Nager weitreichende wirtschaftliche Schäden anrichten konnten, wie bei der Speicherung großer Lebensmittelvorräte in den Städten, in Hafenanlagen und auf Schiffen. Mit der geänderten Mentalität gegenüber der Katze konform ging eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebenssituation: Sie wurde im 19. Jh. zum beliebten Heimtier. In dieses Jahrhundert fällt überhaupt der Beginn der Heimtierhaltung breiter Bevölkerungsschichten. Die Erscheinung steht in einem ursprünglichen Zusammenhang mit der Industriellen Revolution und der massenhaften Landflucht: Für die ländlichen Zuwanderer stellte das Heimtier Verbindung zur verlorenen Natur, Trost in ihrer katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Situation, und (das gilt besonders für den Hundebesitzer) mitunter ein Ventil für Aggressionen dar. Die gesellschaftliche Bedeutung des Heimtieres nahm im 20. Jh. zu. Besonders Hunde und Katzen mutierten zu treuen, lieben Hausgenossen, zu Partnern, zu Freunden. Darüberhinaus werden ihre sozialen Qualitäten von Psychologen und Psychotherapeuten hoch geschätzt. In Österreich gab es 1997 1,509 000 Katzen und 545.000 Hunde, in Deutschland 6,8 Millionen Katzen und 5,17 Millionen Hunde.[44] Bei der Anzahl der Haustiere ist die Tendenz steigend, ganz im Gegensatz übrigens zur Kinderzahl, die 1997 in Österreich 1,387.600, Deutschland 13,187.200 betrug.[45]

 

4. Umweltprobleme in der Stadt und auf dem Land

 

In diesem Aufsatz geht es in erster Linie um Entsorgungsprobleme, die durch Tierhaltung in den Städten entstanden. Zahlreiche Quellen belegen die intensive Nutztierhaltung auch in der Stadt: Der mittelalterliche Stadtbewohner war meist "Selbstversorger". Die großen Haustiere (Rinder, Schafe, Pferde) wurden auf Weiden vor den Städten getrieben; die kleineren Haustiere wie Geflügel, Schweine, aber auch Hunde und Katzen, liefen in den Städten frei herum. Die dadurch anfallenden tierischen Fäkalien stellten Entsorgungsprobleme für die Gemeinschaft dar, denn es gibt bis in das 18. Jh. immer wieder Verordnungen, die den Versuch dokumentieren, die gesamte Tierhaltung vor die Stadttore zu verlegen. Mit den Hunden beschritt der Stadtrat andere Wege, um Herr der Plage zu werden. Die Problemlösungsversuche der größeren Gemeinwesen nördlich der Alpen ähneln einander sehr: Die freilaufenden Hunde wurden in öffentlich organisierten Aktionen eingefangen und getötet. Die Hundevernichtungsaktionen wurden vom Henker, von seinem Knecht oder vom Abdecker (Schinder) in Form von Treibjagden, die in unterschiedlichen Intervallen stattfanden, durchgeführt.[46] Die städtischen Hundeschläger wurden (ironisch ?) "Jäger vor dem Wald" genannt.[47] In einer literarischen Quelle, einem Fastnachtspiel, wird der Huntsschlaher folgendermaßen charakterisiert: So hort mich, jegermeister, auch! / Mich schetzt manger jeger fur ein gauch,/Ich fach mer wilds, dan seiner hundert./ Ir herren, darumb mich eins ser wundert,/ Das ir oft weit nach wildpret schickt./Jo wenn ir euch mit mir zuflickt, /Ich wolt euch sein auf ein mol dar messen,/Ir hett all eur lebtags daran zu essen.”[48]

Aus größeren Städten gibt es ab dem 15. Jh. Urkundenmaterial, das die Anstellung von Hundeschlägern belegt.[49] In Wien wurden 1444 866 Hunde eingefangen und vertilgt, 1445 waren es 83, 1458 300, 1470 182, 1474 75 und 1475 510.[50] 1674 mußte der Hundeschläger in der Stadt Salzburg einmal pro Woche Jagd auf die Hunde machen.[51] Im Jahr 1752 ordnete die niederösterreichische Regierung das Einfangen der freilaufenden Hunde jeden Monat bei Vollmond an.[52] In Nürnberg ist das Hundeschlagen noch aus dem 18. Jh. belegt.[53] Verschiedene Gründe führten zu diesen Hundevernichtungsaktionen: Neben dem Problem der Fäkalienbeseitigung war es die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Aus Nürnberg wird von Hundemeuten berichtet, die sich besonders nachts rudelweise in den Straßen herumtrieben und auch in Kirchen und ins Rathaus eindrangen.[54] Nicht zuletzt waren diese mehr oder weniger in regelmäßigen Abständen durchgeführten Aktionen ein Versuch, die ständig drohende Tollwutgefahr zu verhüten. War die Seuche schon ausgebrochen, wurden die herumstreunenden Hunde im Interesse der öffentlichen Sicherheit sofort erschlagen, während bei den turnusmäßigen Hundefangaktionen die Hunde nicht sofort getötet wurden, damit eventuell irrtümlich gefangene Hunde von ihren Besitzern abgeholt werden konnten. Die Tierkadaver wurden nach ihrer Verwertung durch den Abdecker von diesem vergraben oder in Flüssen entsorgt. - Auch Katzen wurden in großen Mengen getötet. Es dürfte sich dabei aber um private Initiativen gehandelt haben. Eine mögliche Ursache wurde schon erwähnt: Aberglaube. Ein weiterer Grund könnte auch eine Hygienemaßnahme gewesen sein: Katzen wurden verdächtigt, Krankheitsüberträger, namentlich der Pest, zu sein. Der heute noch geläufige Familienname "Katzenschlager" könnte meines Erachtens von solchen Aktionen hergeleitet werden.

Daneben gab es aber auch Entsorgungsprobleme verendeter Hunde und Katzen. Prinzipiell war die Beseitigung privater und gewerblicher Abfälle im Mittelalter Privatangelegenheit. Sie mußte ohne Belästigung oder Gefährdung der Nachbarn und möglichst auf dem eigenen Grundstück stattfinden:[55] Meist erfolgte die private Kadaverbeseitigung in Abfallgruben und Latrinenschächten. Bei Grabungen kommen daher häufig Haustierknochen zutage. Abweichungen von dieser Vorschrift scheinen aber vorgekommen zu sein: Gesetzestexte, die auf Verstöße und auf daraus resultierende Streitigkeiten reagieren, belegen dies.[56] Die öffentliche Abfallbeseitigung entwickelte sich erst gegen Ende des 15. Jhs.[57] Sie befaßte sich zuerst vordringlich mit Kloakenreinigung, die Abdeckerei folgte bald. 1477 wurde in München der erste Abdecker amtlich ernannt. Neben der Straßenreinigung war er ausdrücklich für die Beseitigung von Tierkadavern zuständig.[58] Ein literarisches Zeugnis hiefür liefert der Meistersinger Kuntz Haß, der in einem Lobgedicht auf Nürnberg von einem Knecht singt, der täglich mit einer Butte durch die Stadt geht und Kadaver einsammelt.[59]- 

Der täglich anfallende Hundekot ist nach wie vor ein Problem in größeren Städten. Im Sinne des Abfallgesetzes muß er von demjenigen, der den Abfall verursacht, beseitigt werden. In Wien etwa gibt es seit Jahren die unterschiedlichsten Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen.[60] 

Unter dem früheren Bürgermeister Zilk wurde 1993 die sogenannte Hundekommission ("Hundstrümmerl-Kommission") ins Leben gerufen. Eine Gruppe von Experten sollte diesbezüglich Problemlösungen erarbeiten. Schließlich fallen in Wien täglich ca. 6 Tonnen Hundekot an. Aus dem Ausland übernommene Modelle eines Hundekot-"Staubsaugers" erwiesen sich für Wiens Straßen als nicht praktikabel und hinterließen einen riesigen "Trümmerlhaufen". 1998 wurden in den Füßgängerzonen Wiens etwa 13 Automaten aufgestellt, die etwa 30.000 Plastiksäckchen beinhalten. Diese sollten bei Bedarf von den Hundebesitzern entnommen und (mit Inhalt versehen) im Restmüll entsorgt werden. Die Aktion steht unter dem Motto: "Jedes Gackerl g´hört ins Sackerl". Da Säckchen jedoch im Restmüll nicht mehr aufscheinen, wird vermutet, daß sie von Kindern als "Spielzeug" Verwendung finden. In der Magistratsabteilung für Straßenreinigung in Wien ist man der Überzeugung, daß nur die Bestrafung von "in flagranti" ertappten Hundebesitzern eine erfolgreiche Lösung erbringen kann. In Berlin etwa gibt es eine Umweltstreife, deren Aufgeabe darin besteht, Umweltsünder auf frischer Tat zu ertappen, abzumahnen bzw. zu bestrafen. Beispiele aus den USA und der Schweiz, wo die Strafe für derartige Umweltsünden sehr hoch sind, zeigen, daß strenge Bestrafung Erfolge brächten.

Auch die Tierkörperbeseitigung ist gesetzlich geregelt. In Österreich gilt das österreichische Tierseuchengesetz von 1909 (RGBl.1909/177), in dem u.a. die Beseitigung von Kadavern, die Lage der Verscharrungsplätze und die Tätigkeit der Abdecker geregelt ist. Aufgrund des Tierseuchengesetzes wurde eine Vollzugsanweisung erlassen, welche die unschädliche Beseitigung und Verwertung von Tierkörpern zum Inhalt hat (StGBl.1919/241 in der Fassung BGBl.1977/660). In dieser Verordnung ist festgelegt, daß alle Körper und Körperteile verendeter oder getöteter Tiere an eine Tierkörperverwertung abzuliefern sind. Dort werden Hunde und Katzen gemeinsam mit anderen toten Tieren und Schlachtmüll zu Tierkörpermehl und Fetten verarbeitet (s. unten 5.g "Hunde und Katzen im Tierfutter"). Ausnahmen von diesem Ablieferungszwang können unter bestimmten Voraussetzungen erwirkt werden: Von der noch gültigen "Wasenmeisterdienstvorschrift" wird in der Praxis in Österreich angeblich nicht mehr Gebrauch gemacht. Aber Heimtierbesitzer, die ihre Tiere beerdigen möchten, bemühen sich häufig um diese Genehmigung. Die private Tierbestattung wird heute durch Landesgesetze geregelt. In Niederösterreich dürfen Tiere, deren Gesamtgewicht 40 kg nicht übersteigt, unter Einhaltung bestimmter Auflagen auf dem eigenen Grund begraben werden (LGBl. 6440/1-6). Seit einigen Jahren gibt es in Österreich auch Tierfriedhöfe und Tierkrematorien, die von privaten Betreibern ins Leben gerufen wurden. Die Tierfriedhöfe befinden sich in der Steiermark und Niederösterreich, die Tierkrematorien in Oberösterreich und in Wien. Der niederösterreichische Tierfriedhof liegt bei Sierndorf im Bezirk Korneuburg.[61] Die Gründung vor etwa 15 Jahren erfolgte im Zusammenhang mit der Waldviertler Schnellstraße, denn vorhandene geologische und hydrologische Gutachten erlaubten eine Situierung an dieser Stelle. Es werden dort alle Haustiere dort beerdigt, Hunde- und Katzengräber überwiegen. Es handelt sich dabei keineswegs um "vornehme" Rassetiere, sondern um Haustiere von Menschen, die einerseits die Einäscherung andererseits die Verarbeitung ihrer Tiere in den Tierkörperverwertungsanstalten aus ehtischen Gründen ablehnen. Die Begräbniszeremonie orientiert sich weitgehend am menschlichen Begräbnisritual. Es obliegt den Hinterbliebenen, einen Priester zur Trauerfeier beizuziehen, und/oder die Bestattung mit Musik zu begehen. Häufig werden die Tiere in Holzzärgen, die man in verschiedenen Ausführungen beim Veranstalter bestellen kann, beigesetzt.  Grabbeigaben in Form von Lieblingsdecken, -handtüchern,- spielzeug sind erlaubt und nicht selten. Auch die Gräber sind nach dem Vorbild menschlicher Begränisstätten gebildet (Abb. 7). Lediglich die Größe dieser letzten Ruhestätten und die Aufmachung der Grabsteine weichen einwenig von der Gestaltung der Menschengräber ab. Von der Anbringung von Kruzifixen wird Abstand genommen, Kreuze dagegen und das Ewige Licht finden Verwendung. Grabinschriften wie "BLUNZI" (und weiter) "Tote sterben erst/ wenn niemand an sie denkt/ Du bleibst immer bei mir/ In unvergänglicher Liebe / Deine Mami" mit Geburts- und Sterbedaten und/oder die Vignette mit einem Bidlnis des verblichenen Lieblings, offenbaren doch relativ bald die Unterschiede.

 

5. Die wirtschaftliche Nutzung von Hund und Katze vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart

 

a. Hund und Katze als Lieferanten von Haut

Hunde- und Katzenhaut wurde seit dem Mittelalter von Gerbern, Schustern, Handschuhmachern, Beutlern, Riemern, Gürtlern, Kürschnern, verwendet. Bei den lederverarbeitenden Handwerkern war der Einkauf des Rohleders, sobald sie sich in Zünften zusammengeschlossen hatten, durch Statuten geregelt. Der Vorgang war ganz unterschiedlich: Der Einkauf konnte durch den Handwerker selbsttätig oder durch einen von der Zunft beauftragten Einkäufer erfolgen. Auch die Zubereitung des Rohleders erfolgte nicht ausschließlich durch den Gerber: Viele Handwerker übernahmen diese Tätigkeit selbst.[62] Bei der Betrachtung des Themenbereichs "Verwertung von Hunde- und Katzenleder sowie Hunde- und Katzenfell" trifft man auf ein widersprüchliches Phänomen: Produkte aus diesen Rohstoffen sind nicht selten. Aber die Hundeschläger und Abdecker, die meist das Rohprodukt dem Markt zur Verfügung stellten,[63] gehörten allerorten zu den Ausgestoßenen.[64] Die Handlung des Tötens und der Umgang mit toten Tieren wurde offenbar als anrüchig empfunden und als Makel auf die Täter, nicht auf das Produkt, übertragen.

 

Schuhe aus Hundeleder

Im 20. Kap. der "Physica" widmet Hildegard von Bingen[65] (1098-1179) dem Hund eine warmherzige Beschreibung, die auf eigener Beobachtung beruhen könnte. Obgleich diese naturkundliche Abhandlung in erster Linie symbolisch ausgedeutet werden muß, ist für die Realienkunde jene Stelle, in der das Hundefell erwähnt wird, von großem Interesse: "Schuhe aus seinem Fell schwächen wegen dessen Unreinheit, denn es ist oft durch den unreinen Schweiß des Fleisches getränkt." Mit "unreinem Schweiß des Fleisches" ist vermutlich das "schamlose" Verhalten des "läufigen" Hundes, besonders während der Paarung angedeutet. Immerhin läßt diese Stelle die Folgerung zu, daß Schuhe aus Hundeleder zur Zeit Hildegards getragen wurden. Diese Vermutung wird durch Aussagen anderer Autoren untermauert; so etwa von Berthold von Regensburg[66] (ca. 1210-1272), der in der Predigt "Von ruofenden Sünden" die Sünde der untriuwe [Unehrlichkeit, Betrug] in den Mittelpunkt seiner aufrüttelnden Predigt stellt. Die Predigt richtet sich an Dienstboten und Handwerker. Als Beispiel für eine betrügerische Handlung führt er den Handwerker an, der durch Materialtäuschung schuldig wird, und Schuhe aus Hundeleder für solche aus "Bocksleder" ausgibt: Der ist ungetriuwe an sinem antwerke, der git zwene hundine schuohe für zwene bökine. Interessant ist an dieser Stelle, daß Berthold nur die Kundentäuschung, nicht aber die Verwendung von Hundeleder zur Schuherzeugung tadelt. Sicherlich war die Beschaffung von Hundeleder für den Schuhmacher kostengünstiger und ein erfolgreicher Betrug brachte ihm Gewinn.[67] Auch Bertholds Zeitgenosse Thomas Cantimpratensis erwähnt im "Liber de natura rerum" (geschrieben zwischen 1228 und 1244) im Kapitel De quadrupedibus (4,13,90f)[68] Schuhe aus Hundeleder. Allerdings scheint hier die Indikation gegen Arthritis im Vordergrund zu stehen: Calciamenta in pedibus ex pelle canis arteticam sanant. Que tamen, si canes olfactu contigerint, demingent. Wenngleich dem Hundeleder hervorragende heilende Eigenschaften zugeschrieben werden, so scheint der Tragekomfort doch unter nicht unwesentlichen Nachteilen gelitten zu haben: Konrad von Megenburg (1309-1374) übersetzt im "Buch der Natur"[69] diese Stelle mit: hündein schuoch sint guot an den füezen für die gicht; smeckent aber si die hund an den füezen, so benetzent si sie.[70]

Funde der Mittelalterarchäologie in Deutschland und in der Schweiz scheinen die schriftlichen Aussagen zu bestätigen. So wurden in einem Rostocker Fäkalienschacht des 14./15. Jhs., der ehemals zu einer Schuhmacherwerkstätte gehörte, Hunde- und Katzenschädel gefunden.[71] Der gezimmerte Abfallschacht, der ursprünglich mindestens 690cm tief war, wies ab etwa 270cm Tiefe einen einheitlichen Fundkomplex von etwa 300cm Stärke auf. Als Fundgegenstände, die innerhalb kurzer Zeit wahrscheinlich als Abfall weggeworfen worden waren, konnten 16 Schuhleisten und vier Katzen- sowie ein Hundeschädel geborgen werden. Drei der vier aufgefundenen Katzenschädel weisen Hiebspuren auf dem Nasenbein auf, was eindeutig auf Tötung hinweist. Die Funde auf diesem Areal lassen den Schluß zu, daß die Tiere zum Zwecke der Ledergewinnung getötet wurden. Ungeklärt bleibt die Frage, ob der Schuhmacher die Häute selbst gerbte, oder ob er sie zur Weiterverarbeitung einem Gerber überließ. Lederreste konnten nicht geborgen werden, sodaß über diese vermutlich aus Hunde- und Katzenhaut gefertigten Endprodukte lediglich Hypothesen aufgestellt werden können. Es wäre denkbar, daß der Schuhmacher daraus Schuhe oder Schnürriemen herstellte.[72]

Für das Gerben von Hunde- und Katzenhaut zu Leder gibt es für das Mittelalter nur wenige Belege. Daß diese Tätigkeit nicht selten war, läßt sich daraus erschließen, daß die Hundehautgerber ein eigenes Gewerbe bildeten.[73] Auf dem Areal einer Feingerberei des 13. Jhs. in Schaffhausen wurden Hunde- und Katzenknochen (allerdings zu einem sehr geringen Prozentsatz) gefunden, was auf das Gerben von Wildleder hindeuten könnte.[74] Noch im 18. Jh. wurden aus Hundehaut Sommerschuhe gefertigt, “weil sie die Eigenschaft, kühlend zu seyn, haben soll.”[75] Auch das Oberleder von Stiefeln wurde aus Hundsleder fabriziert, “indem es im Sommer kühl, und im Winter warm ist, und die Füße nicht leicht schwitzend macht, weil es sich allezeit nach dem Fuße dehnt, ohne ihn einzupressen.”[76] 

 

Handschuhe aus Hunde- und Katzenleder

Für die Verwendung von Hunde-und Katzenleder in der Handschuherzeugung gibt es für das deutsche Mittelalter wenige Quellenbelege. Von französischen und englischen Handschuherzeugern ist überliefert, daß sie diese beiden Lederarten für die Herstellung ihrer Produkte durchaus bevorzugten.[77] Hunde- und Katzenleder weist angeblich die bei Handschuhleder gewünschten Qualitäten, nämlich Geschmeidigkeit und hohe Zugbelastung bei gleichzeitiger Dünnhäutigkeit in besonders hohem Maße auf. Ein Bericht über eine eigenartige Gepflogenheit aus Norddeutschland scheint ihren Ursprung im Mittelalter zu haben. Es handelt sich um eine traditionelle Lehensabgabe der Abdecker oder Hundeschläger zu Halle an den Vorstand des Stadtgerichts, den Stadtschultheißen, die "noch" um 1750 erstattet wurde.[78] Der Abdecker mußte jährlich neben einigen anderen Abgaben ein paar Handschuhe aus Hundeleder als Tribut leisten. In diesem Zusammenhang werden namentlich die hundeledernen Handschuhe (allerdings ohne Quellenangaben) als ein sehr häufiges Huldigungssymbol bezeichnet. Lexika des 18. und 19. Jhs. führen unter dem Stichwort "Handschuh" stets auch Hunde- und Katzenleder als Verarbeitungsmaterial an.[79] In einer Zollordnung Kaiser Ferdinands III. vom 5. August 1644 sind die Zollsätze für Hundehäute angegeben, die für Handschuhe Verwendung fanden.[80] Auch zu Beginn des 20. Jhs. waren hundelederne Handschuhe bekannt.[81] In einem heute noch aktuellen Fachhandbuch für die Herstellung von "Lederhandschuhen und Handschuhleder"[82] werden unter der Rubrik "Die handelsüblichen Handschuhleder-Arten" Hundehäute (dogskins) aufgelistet. Noch heutzutage wird das dünne, weiche, aber sehr belastbare Hundeleder von den Handschuherzeugern geschätzt.

 

Weitere Artikel aus Hunde- und Katzenleder

Der Geldkatze und der Hundsgugel wird (vermutlich aufgrund des Vorkommens von "Katze" und "Hund") in der zeitgenössischen Bezeichnung das Rohmaterial Katzen- und Hundehaut nachgesagt.[83] Die Geldkatze war eine Art Geldtasche, die am Gürtel befestigt worden ist. Aufgrund der geringen Größe dieses Beutels ist eine Fertigung aus Katzenleder durchaus wahrscheinlich. Anders liegt die Situation bei der "Hundsgugel", da die Namengebung für diese Kopfbedeckung vermutlich in der Formgebung begründet ist. Die Rechnungsbücher von Klosterneuburg verzeichnen 1425 unter der Nr. 12a eine Hundskappe, die aus Hundeleder gefertigt sein soll.[84] Auch die Verwendung dieser Lederarten für Musikinstrumente ist denkbar. Im Schwankbuch des sogenannten Neidhart Fuchs läßt die Stelle Geiselhor, nun rier die hundes hewte im "Faßschwank" vermuten, daß Geiselhor aufgefordert wird, die aus Hundshaut bespannte Trommel zu schlagen.[85] Zu Beginn des 20. Jhs. ist die Verwertung von Hundehaut für Schuhriemen, Hosenhalter, Riemen für landwirtschaftliches Gerät, bezeugt; aus Katzenhaut wurden nach Aussagen eigens befragter Personen Tabakbeutel hergestellt.[86] Im "Jahrbuch" für das Jahr 1932 der Wiener Taschner und Ledergalanteriewarenerzeuger wird der Zolltarif für importierte Hundeleder angeführt.[87] In einem aktuellen "Handbuch der Gerbereichemie und Lederfabrikation" finden sich Anleitungen zur Verarbeitung von Hundehaut.[88] Hundeleder findet demnach in der Orthopädie vielseitige Verwendung und wird dort eingesetzt, wo die Festigkeitseigenschaften des Schaf- und Ziegenleders nicht ausreichen. Lieferländer sind: England, Belgien, Holland und die Türkei.[89] In diesen Ländern, aber auch in Deutschland und Frankreich werden Hunde und Katzen in Abdeckereien enthäutet, die Häute an Gerber verkauft. In England wurden vor wenigen Jahren "die besten" Fußbälle aus Hundeleder erzeugt.[90]

 

b. Hund und Katze als Fellelieferanten

Außerordentlich ergiebig für diese Fragestellung sind Ergebnisse der Mittelalterarchäologie. Namentlich die Auswertung der archäologischen Funde aus dem mittelalterlichen Schleswig brachte die bis dato größte Anzahl von Skelettresten sowohl vom Haushund (1008) als auch von der Hauskatze (2686) zutage.[91] Die Analyse der Alterszusammensetzung der Hundeknochen ergab, daß etwa drei Viertel der Hunde älter als eineinhalb Jahre war, daß aber kaum ein Tier das sechste Lebensjahr erreichte. Ein Teil der Knochen weist Ritzspuren auf, die "doch wohl am ehesten mit einer Abhäutung der Tiere erklärt werden" können. Auch die Alterszusammensetzung der Hundeknochen erlaubt den Schluß, daß die "noch nicht ausgewachsenen Tiere zu diesem Zweck getötet wurden. Der Grund hierfür wäre darin zu sehen, daß sich junge Tiere leichter abhäuten lassen als ausgewachsene." Rückschlüsse auf die Tötungsart erlaubt die Beschaffenheit der Knochen nicht. - Bei Ausgrabungen in der Lübecker Innenstadt aus dem 13.-17. Jh. wurden ebenfalls Knochen von Hunden geborgen, die im Alter von 6 bis 8 Monaten und eineinhalb Jahren umgekommen waren.[92] Die Fundmenge ist gering, die Altersgliederung des gefundenen Materials aber von Interesse, da der Schluß gezogen werden könnte, daß auch diese Hunde der Fellgewinnung dienten. - In den schriftlichen Quellen finden sich Hinweise auf die wirtschaftliche Verwendung von Hundehaaren. Belege hiefür sind Redewendungen aus der deutschen Literatur der frühen Neuzeit. Es sind dies die Redensarten "einem Hundshaare unter die Wolle schlagen" oder "Hundshaare einmengen".[93] Sie geben Zeugnis von der Manipulation der Wollenweber, die Hundewolle in die Schafwolle mengten und sind gleichbedeutend mit "Betrug". Martin Luther gebrauchte die Wendung "Allerley Hundshaare mit hineinhacken" in einer "Tischrede" in diesem Sinne.[94] Eine andere schriftliche Quelle erwähnt, daß Hundehaare in Frankfurt bei der Messe zum Verkauf angeboten wurden.[95] Das Einschlagen von Hundehaaren in die Wolle- bzw. in den Wollstoff war offenbar nicht selten; das darf aus dem Faktum, daß dieser Vorgang redensartlich wurde, geschlossen werden. Diese Materialverfälschung kann als Parallele zu der vom Prediger Berthold von Regensburg angeprangerten Lederfälschung (Hundeleder statt Schafleder für Schuhe) gesehen werden. Eine weitere Redensart, die die Verwertung von Hundehaaren in der Textilherstellung belegt, ist "Hundsloden eintragen". Die Redensart kommt in der Komödie "Hans Pfriem" von Martin Hayneccius aus dem Jahre 1582 vor.[96] Sie wird dem Querulanten Hans Pfriem, einem groben Fuhrmann, der im Himmel Streit und Zank vom Zaume bricht, gemacht und bedeutet das "Derbe", "Grobe" schlechthin. Daraus könnte sich "Hundsloden kriegen" entwickelt haben, denn die Bedeutung dieser Wendung ist: grobe Vorwürfe zu hören kriegen, derb ausgescholten werden. Beide Redensarten verdanken ihre Entstehung dem "groben Stoff, der aus Hundshaaren gefertigt ist".[97] Sie bilden die einzigen Belege dafür, daß Loden (überwiegend) aus Hundehaaren gefertigt wurde, obwohl meines Erachtens an der Tatsache, daß dieser grobe Wollstoff bis ins 20. Jh. einen großen Anteil an Hundehaaren aufwies, nicht zu zweifeln ist. Für die Verarbeitung von Hundefell zu Pelz gibt es für die Neuzeit nicht viele Belege, obwohl sie gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten vor allem für sozial schwache Kreise als sehr wahrscheinlich anzunehmen ist. So wurde in einer Untersuchung über die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation der deutschen Wanderarbeiter in Paris zwischen 1830 und 1870 der Hundepelz als die übliche Oberkleidung der Armen im Winter angegeben.[98] Mit Hundehaar wurden auch Matratzen und Sättel ausgestopft; "Hundsschopper" war der zünftige Spottname der Sattler seitens der Riemer.[99]

Günstiger gestaltet sich die Quellenlage vom Mittelalter bis in die Gegenwart bezüglich der Verwendung von Katzenfell. Abermals aufgrund von Ausgrabungen lassen sich bedeutende Erkenntnisse über die Häufigkeit der Katzenknochen und -schädel und über das Schlachtalter gewinnen. Die Grabungsberichte aus dem mittelalterlichen Schleswig von Norbert Spahn basieren auf der "größten Fundmenge" von Katzenknochen, "die jemals bei Ausgrabungen freigelegt" wurden.[100] Die Altersanalyse der Katzenknochen brachte das Ergebnis, daß 17% bis 20% der Katzen nicht älter als etwa acht Monate wurden, daß etwa 40% während der letzten drei Monate des ersten Lebensjahres ablebten, und daß rund 40% das zweite Lebensjahr erreichten. Einige Knochen weisen deutlich erkennbare Ritzspuren als Folge der Abhäutung auf.[101] Auch im Heiligen-Geist-Spital in der Lübecker Innenstadt konnte ein auffallend hoher Anteil an Katzenknochen geborgen werden. Die Altersbestimmung ergab, daß keines der Tiere während der ersten neun Monate eingegangen war, und daß etwa drei Viertel der Tiere ein Alter von mindestens 11 1/2 Monaten erreichten. Einem Katzenschädel fehlte die sutura parietofrontalis.[102] Ähnliche Ergebnisse erbrachten eine weitere Grabung im Gebiet der Lübecker Altstadt sowie die Grabungen von Haithabu, von Gaiselsberg und von Höxter.[103] Der hohe Anteil jung gestorbener Katzen ließ sich bei all diesen Untersuchungen aus zoologischer Sicht nicht befriedigend erklären. Die Folgerung, daß die betreffenden Katzen zum Zwecke der Fellgewinnung getötet wurden, erscheint zulässig. Bis auf wenige Ausnahmen (Spahn, Pudek, Johansson-Hüster) äußern sich die Autoren jedoch nicht, ob und welche Spuren der Tötung und Abhäutung am Knochenmaterial erkennbar sind. Andere mögliche Deutungen wären Seuchen, Tötung aus Aberglaube oder aus Angst vor Krankheiten. Menschen, die Katzen töteten und ihnen das Fell abzogen, wurden von ihren Zeitgenossen Katzenviller oder Katzenschinder genannt.[104] Katzenschinder war aber auch seit dem 16. Jahrhundert ein Scherz- und Scheltwort für Kürschner, basierend auf der Unterstellung, daß die Kürschner statt wertvoller Felle auch Katzenfelle verwendeten.[105] Auch Katzenbeißer oder Katzenbiß waren Spottnamen des Kürschners. Sie entstanden aus mhd. beißen [=beizen], und bezeichneten also den Handwerker, der Katzenfelle für die Verarbeitung vorbereitet.[106] Den Vorgang des Katzenschindens, des Haut- bzw. Balgabziehens verdeutlicht das Verb katzbalgen.[107] Erst später erhielt das Verb die Bedeutung "sich zanken". Vom katzenschinden und der Verarbeitung des Katzenbalges zu einer Fellmütze erzählt Heinrich der Glichesaere in "Reinhart Fuchs":[108] Der Fuchs verspricht dem kranken König Heilung von seiner Kopfkrankheit durch eine Mütze aus Katzenfell. Sogleich wird der Kater Dieprecht geschunden und aus seinem Fell ein Hut gefertigt. - Über die Verarbeitung von Katzenfell durch Kürschner zur Fütterung von Mänteln berichten die Rechnungsbücher des Stiftes Klosterneuburg zum Jahr 1513 und Konrad Gesner im "Thierbuch".[109] Gesner gibt darüber hinaus noch Kenntnis davon, daß Walliser Kürschner aus diesen Pelzen die unterschiedlichsten Kleidungsstücke verfertigten und hebt den zu seiner Zeit außergewöhnlich hohen Preis für Pelze von Geneth-Katzen hervor: 3-4 Pelze kosteten 1 Krone. Der Eulenspiegelschwank "Wie Ulenspiegel zu Leipzigk den Kürßneren ein lebendige Katz nägt in ein Hassenfel in einem Sack für einen lebendigen Hassen verkoufft" führte vermutlich zur Bildung der Redensart "Die Katze im Sack kaufen".[110] Zwei Aspekte dieser Geschichte sind für die vorliegende Arbeit bedeutsam: Die Tat des bäuerlichen Narren Eulenspiegel reflektiert die Meinung, die das Volk von den Kürschnern in Bezug auf deren Redlichkeit bei der Pelzherstellung hatte; sie spiegelt auch den Versuch, Katzen als Hasen für die Speisenzubereitung auszugeben. Eine der vielen Bedeutungsvarianten der Bezeichnung "Katzelmacher" für Italiener, die um 1750 aufkam, hängt in volkstümlicher Auffassung zusammen mit den Katzenfellen, mit denen die Italiener einen schwunghaften Handel betrieben.[111] Zur Verarbeitung von Katzenfell zu Mantelfutter, Muffen, Schuheinlagen, Tabakbeutel gibt es im Hauptkatalog des WBÖ unzählige Belege. Katzenfell hatte und hat auch besondere Bedeutung als Heilmittel gegen Rheuma, Gicht, nach Rippenfellentzündung, Tuberkulose. Auch die Verwertung von Hundefell zu Pelzkragen und Bettvorleger wird vielfach dort belegt. Diese aus Befragungsaktionen von Laien gewonnenen Aussagen wurden durch Handbücher der Kürschner aus derselben Epoche, nämlich dem beginnenden 20. Jh., in überraschendem Maße bestätigt.[112] In einem Lexikon der Pelz- und Rauhwarenkunde aus dem Jahre 1949 werden als wesentliche Ursachen, die die Pelzverarbeitung von (europäischen) Haushundfellen in der Konfektion zu einem Mißerfolg werden ließ, emotionelle Gründe der Käufer und die Belästigung "von noch lebenden Artgenossen in unangenehmster Weise" angeführt.[113] Nach den Ausführungen desselben Autors wurden schließlich die Felle chinesischer Haushunde in großen Mengen für Pelzherstellung herangezogen: es wurden daraus Decken gefertigt. Auch in der Veredelungsindustrie war man um 1949 bestrebt, diese Felle mehr und mehr für die Pelzverarbeitung bereitzustellen. Sie wurden zu Fuchsimitationen verarbeitet und auf Blau- oder Alaskafuchs veredelt. Türkische verwilderte Hunde dagegen wurden in England zur Silberfuchs-Imitation verwendet. An dieser Situation hat sich nach Auskunft der neuesten Handbücher für Rauhwarenhersteller[114] nicht viel geändert: Hundefelle aus Fernost erscheinen unter der Bezeichnung "Gae", "Sobaki" oder "Goopee" im Pelzhandel. Sie werden zu Besätzen, Krägen, Sportpelzen verarbeitet. - Auch die Hauskatze wird in der Pelzkonfektion, und zwar nicht nur als Kleidungsfutter, eingesetzt. Infolge der hohen Wärmeeigenschaften werden sie jetzt auch häufig für Wintersportbekleidung benutzt. Während sie früher oft geschoren, auf "Skunk", "Seal" gefärbt wurden, werden die gut gezeichneten Felle vor allem für die Pelzkonfektion heutzutage naturell verarbeitet. Der wesentlichste Verarbeitungsbereich der Katzenfelle liegt aber sicherlich bei der Veredelung für Heilzwecke. Die Lieferanten für Katzenpelze sind mit Sicherheit zum Großteil europäische Abdeckereien.

 

c. Die Verwertung von Hunde- und Katzenknochen

Die Aussagen über die Verwertung der Knochen dieser Tiere stützen sich ausschließlich auf die Ergebnisse der Mittelalterarchäologie. Eine Tatsache, die dadurch erklärt werden kann, daß auf ikonographischen Quellen die Gegenstände, die aus Knochen gefertigt wurden (Würfel, Spielfiguren), kaum einem bestimmten Tier zugeordnet werden können, und daß in schriftlichen Quellen Gegenstände aus Bein selten näher definiert werden. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Predigt Geiler von Kaisersbergs, der in seinen Ausführungen gegen das Würfelspiel Spielwürfel aus Hundeknochen (hunßbein) anführt.[115] Bei Ausgrabungen in Schleswig[116] konnten in Schichten, die dem 11. und 12. Jh. angehören, Knochenpfeifen und Knochenflöten geborgen werden. Darunter befand sich auch eine Flöte aus Hundeknochen. Die Anfertigung von Flöten aus Schienbeinknochen von Säugetieren war relativ einfach, da durch das Entfernen der beiden Epiphysen das Rohr leicht geöffnet werden konnte und die natürliche Form der Knochen einer bequemen Spielhaltung sehr entgegenkam. Am Rande der Erfurter Altstadt wurde eine Haus- oder Kellergrube aus der Zeit zwischen ca. 1250 - 1350 ergraben.[117] Eine einheitliche Fundschicht enthielt außer dem üblichen Fundgut (Haushaltsabfall, Eisen- und Buntmetallgegenständen) einen umfangreichen Knochenfund. Das Knochenmaterial setzt sich aus Halbfertigfabrikaten, Endprodukten, Hackbruchstücken und Knochenstücken zusammen. Für die mit der Ausgrabung befaßten Archäologen steht aufgrund der Menge des geborgenen Materials "außer Frage", daß sich über dieser Kellergrube eine Werkstatt befand, in der nicht nur Knochenschnitzerei, sondern auch die Tätigkeiten des Leimsiedens und Hornschnitzens ausgeübt wurden. Unter den identifizierbaren Knochen befanden sich 14 Katzenknochen. Als Endprodukte und Produktionsabfälle konnten Spielwürfel, Würfelstäbe (als Ausgangsprodukt der Würfelfabrikation), Kammfragmente und Rohlinge zur Knochennadelherstellung gefunden werden. Inwieweit Katzenknochen für diese Produkte verarbeitet wurden und ob sich Katzenknochen unter dem Rohmaterial zur Leimsiederei befanden, geht aus diesem Grabungsbericht nicht hervor. Allerdings wurden ein gedrechseltes Nadelbüchschen aus Katzenknochen und ein sorgfältig abgeschnittener Femur einer Katze geborgen. Beide Funde lassen "den Gedanken aufkommen, daß die geraden Diaphysen von Kleinsäugern zu Nadelbehältern verarbeitet worden sind" (Abb.8).

Aus Hundeknochen und -sehnen wurde Leim gekocht. Gesner[118] berichtet im Kapitel "Von der Nutzbarkeit des Hundes", daß die Gerber aus "Dreck und Seich" [Kot und Urin] einen Leim zum Verkleben der Felle herstellten. Er schreibt nicht expressis verbis, dennoch ist aus dem Zusammenhang leicht zu erschließen, daß die Gerber zur Leimerzeugung auch noch Haut und andere Gerbereiabfälle von Hunden verwendeten. Ohne die Aussagekraft dieser Stelle über Gebühr strapazieren zu wollen, halte ich sie für einen wichtigen Beweis für die These, daß der größte wirtschaftliche Nutzen aus dem Hund durch Leimherstellung gezogen wurde. Die Knochenleimerzeugung wäre eine Erklärung für eine sinnvolle Verwertung der großen Hundeanzahl, die den Vernichtungsaktionen zum Opfer fielen. In Wien unterstand den Schindern und Abdeckern das Leimkochen.[119] Darüberhinaus wäre auch das Fehlen von "Massengräbern" erklärt, die zweifellos infolge dieser Hundevernichtungsaktionen außerhalb der Städte angelegt hätten werden müssen.

 

d. Die Verwertung von Hunde- und Katzenfleisch

              's is' kan Fuchs - 's is' kan Has'! (1870)

                 Im Wirtshaus sitzt drinnen ein Mann,

                 der schafft sich ein'n Hasenlauf an

                 und wie's ihm am Teller dann bringen den Schmaus,

                 da schaut er so merkwürdig aus.

                 Das Haserl schreit ornd'tlich "miau!"

                 Der Herr macht a mißtrauisch G'schau,

                 Hebt's Läuferl glei mit dö zwa Finger zum Licht

                 und sagt, indem er dazu riecht:

                 Mei' Lebtag hab' i' no' net g'habt so an Fraß! 

                 Es is' kan Fuchs, es is' kan Has',

                 sakramenski! was is' das?

Diesem Walzerduett eines Anonymus aus dem Jahre 1870 lassen sich zahlreiche Beispiele für "Wirtshasen" und "Restaurantwild" (angebliche oder tatsächliche Speisetäuschung mit Hunden und Katzen) im Gasthaus hinzufügen.[120] Wie weit diese scherzhaften Ausdrücke aus der deutschen Umgangssprache der Realität entsprachen oder entsprechen, ist unklar; sie dokumentieren jedenfalls eine Erfahrung, nämlich, daß diese Art der Speisetäuschung in wirtschaftlich schlechten Zeiten möglich war. Hunde und Katzen als denkbare Nahrung für arme Bevölkerungsschichten führt der sozial engagierte Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946) seinem Publikum vor Augen.[121] In der Komödie "Der Biberpelz" (1893) vermutet der überraschend in die Küche kommende Spitzel Motes "Hasenbraten" in der Pfanne, worauf die schlaue Mutter Wolff: "Dachhase vielleicht! Das ist eher meeglich!" entgegnet. Naturalistischer wird vom selben Autor die Armut hungernder schlesischer "Weber" (1892) dramatisiert: Der alte Baumert: "Mir sein halt gar blank derheime. Da hab ich halt unser Hundl schlacht'n lassen. Viel is ni dran, a war o halb d'rhungert. 'swar a klee, nettes Hundl. Selber abstechen mocht ich 'n nich. Ich konnt mer eemal kee Herze nich fass'n." Carl Zuckmayer (1896-1977), der den "Schinderhannes"[122] in die Zeit Napoleons verlegt, läßt die Hunsrücker Bauern "alleweil Hundsfleisch un Kartoffelschale" fressen. Für den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch in Hungersnöten gibt es zahlreiche Quellenstellen vor allem in Annalen und Chroniken.[123] So mußte die Wiener Bevölkerung während einer Hungersnot, ausgelöst durch die Belagerung Herzog Friedrichs II. 1239 Hunde essen, und nach dem Bericht Michel Beheims  wurden sogar in der Burg zu Wien 1463 im Umkreis der kaiserlichen Familie Hunde und Katzen verzehrt.[124] In einer Augsburger Chronik, die von 1633-1646 die Tagesereignisse während des Schwedenkrieges verzeichnet, findet sich eine Preisangabe für Hundefleisch.[125] Der Ausdruck "Dachhase" für Katze stammt aus der Zeit der Türkenbelagerung Wiens 1683, als sich viele ärmere Leute von Katzen ernährten; der Ausdruck "gehackter Hund" dürfte auf "hache de chien" aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges (1870/71) zurückzuführen sein, als Hundebraten angeblich die Geltung einer Delikatesse erhielt.[126] Als während dieses Krieges die Pariser von den deutschen Belagerern ausgehungert werden sollten, führte die Societé Zoologique d'acclimatation ein erstaunliches Experiment durch: Die Mitglieder kreierten ein zehngängiges Diner mit dem Ziel, die Genießbarkeit "ungewöhnlicher" Nahrungsmittel in einer Art "Selbstversuch" unter Beweis zu stellen. Die bemerkenswerten Zutaten dieses Essens waren Hunde, Katzen und Ratten, zubereitet etwa als "Brochettes de foie de Chien" und "Emincé de râble de Chat" (Releves) oder "Epaules et filets de Chien braisés" und "Côtelette de Chien" (Entrees), "Gigot de Chien" wurde als Hauptspeise serviert. Nach Beendigung des Mahles mußten die "Köstlichkeiten" von den Mitgliedern der Gesellschaft bewertet werden.[127] - Deutsche Mittelalterarchäologen schließen mit wenigen Ausnahmen den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch aus. Hundefleisch wurde angeblich nur selten oder gar nicht verzehrt, gemessen am seltenen Vorkommen von Ritz- oder Hackspuren und dem geringen Fragmentierungsgrad des Materials. Nur die Hundeknochen aus der mittelalterlichen Obodritenburg "Mecklenburg" waren nachweislich ebenso stark zerschlagen wie die Knochen von Rindern, Schafen oder Schweinen. "Die Bewohner dieses Fundplatzes scheinen Hundefleisch nicht verschmäht zu haben."[128] Auch W. Wendt nimmt aufgrund der relativ starken Fragmentierung der Knochen der Hinterextremität und einiger anderer Befunde an, "daß Hundefleisch zumindest gelegentlich von den Bewohnern Haithabus gegessen wurde."[129] Spahn schließt den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch im mittelalterlichen Schleswig aus.[130] Schweizer Archäologen dagegen sprechen sich aufgrund von Grabungsergebnissen eindeutig dafür aus, daß Hunde und Katzen üblicherweise sogar eine relativ bedeutende Rolle in der Ernährung der Bevölkerung spielten. So stellten Katzenknochen in der Konstanzer Latrine Wessenbergstraße/Katzgasse 12% aller Knochenfunde in der unteren Schichte dar; ebenso zeugen “zerschlagene Hundeknochen [...] davon, daß auch dieses Tier geschlachtet und für die Zubereitung portioniert wurde.”[131] In den Naturkunden des Mittelalters wird vom Verzehr des Hunde- und Katzenfleisches mehrheitlich abgeraten. Eine Ausnahme bildet die Verwendung in der Heilkunde, wie unten ausgeführt wird. Gesner[132] berichtet, daß die jungen, feisten, verschnittenen Hunde von manchen Völkern in die speyß genommen werden. Sie seien ähnlich dem Hasenfleisch. Zur Vorbereitung von Katzenfleisch (auch Fleisch von Wildkatzen) rät er, das Fleisch zwen oder drey tag bey nacht vnder den himmel legen/ damit sy davon murb/ [und] eines ringeren geruchs werdind.

Im Hauptkatalog des WBÖ[133] gibt es sehr viele Belege für den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch. Es wird immer wieder betont, daß es als Schande gelte, diese Tiere zu verspeisen, daß sich aber doch die armen Bevölkerungsschichten davon ernährten. Lauffs-Ruf[134] referiert einen Tiroler Brauch, der 1927 noch gepflegt wurde: "Im Jänner gehen die Burschen von Haus zu Haus und lassen sich die überständigen Katzen ausliefern, die sie dann erschießen oder anderswie umbringen. Eines schönen Abends wird dann von den getöteten Katzen beim "Oberen Wirt" ein Mahl gehalten, die sogenannte "Katzenhochzeit", wobei das Fleisch in allen möglichen Arten zubereitet ist...".

Sicher nicht Not, sondern eher ein Bedürfnis nach Extravaganz oder nach Belustigung und Unterhaltung veranlaßte die Kurfürstin Maria Leopoldine im Herbst 1797 Katzen, Mäuse, Fledermäuse, Ratten u.ä. auf den Speisezettel der Münchner Hoftafel zu setzen. Manche der Geladenen hatten nach Augenzeugenberichten gravierende Probleme mit den originellen Einfällen der Gastgeberin.[135]  Hundefleisch wurde den Fragebögen  im WBÖ zufolge nicht nur in Notzeiten in Ermangelung anderer Tiere gegessen, sondern als Delikatesse von manchen sehr geschätzt.[136] Auch in den letzten Jahren tauchten immer wieder Behauptungen auf,  Hundefleisch würde von manchen Feinschmeckern als begehrter Leckerbissen sehr geschätzt. In Kärnten, Vorarlberg, Oberösterreich und der Schweiz wurden in den letzten Jahren von Hundefleischverzehr in den Medien berichtet.[137] Dennoch scheint der Genuß von Hundefleisch in Europa eher im Verborgenen zu erfolgen. Feinschmeckerlokale, die Hundefleisch servieren sind nur in  Insiderkreisen bekannt.[138] Eine gewisse Scheu gebietet anscheinend Diskretion beim Schlachten, bei der Zubereitung und beim Verspeisen. Anders ist die Situation in China, wo Hundefleisch einen nicht unwesentlichen Bestandteil der Küche darstellt.[139]  Bilder wie die Aufnahme von der Hundetheke im Fleischmarkt zu Yanbian, wo gehäutete Hunde zum Verkauf angeboten werden,  (Abb. 9) sind dennoch in Europa unvorstellbar.

 

e. Die Verwertung von Fett und Kot

Das Fett des Hundes wurde in wirtschaftlicher Hinsicht: z.B. zum Schmieren der Räder oder zum Bestreichen der Kettenfäden und der Kette der Leinenweber genützt.[140] Selbst der Kot des Hundes fand Verwendung: Von den Gerbern, die damit verschiedene rohe Tierhäute geschmeidig machten,[141] in der Seifenherstellung[142] und in der Heilkunde.

In Österreich wird Tierkörperfett zur Herstellung von Waschmitteln und Kosmetika (Seifen und Cremen) von den Tierkörperverwertungen zur Verfügung gestellt. In jenen Ländern, wo heute noch Hunde und Katzen in Abdeckereien separiert von anderen Tieren entsorgt werden, schätzen Kosmetikhersteller Katzenfett als besonders geeignete Cremebasis.[143]

 

f. Die Verwendung von Hund und Katze in der Heilkunde

Die Anzahl der Belege für die Verwendung dieser beiden Tiere in der mittelalterlichen Human- und Veterinärmedizin ist unüberschaubar, sodaß hier aus der Fülle der schriftlich fixierten heilkundlichen Ratschläge nur ein kleiner Teil herausgegriffen werden soll. Überliefert wurde die Mehrzahl dieser Rezepturen in den Naturenzyklopädien des Mittelalters, die eine Synthese von antiker und spätantiker Naturkunde mit christlicher Naturallegorese bzw. Natursymbolik darstellen. In diese "naturwissenschaftlichen" Werke brachten die Autoren teilweise Erkenntnisse der damals aufblühenden arabischen Medizin und einheimischer Volksheilkunde ein. Die Schöpfer dieser naturkundlich-medizinischen Schriften waren zwar universell gebildete Wissenschafter, aber keine Mediziner im heutigen Sinne. Der Arztstand bildete sich nach der Gründung der europäischen Universitäten erst allmählich heraus. Als frühester Vertreter des "naturwissenschaftlich-medizinischen" Schrifttums sei die "Physica" der Hildegard von Bingen angeführt, deren Werk im MA bedeutende Nachwirkung erlebte.[144] Zwei weitere Vertreter dieser Richtung, der "Liber de natura rerum" des Thomas Cantimpratensis und dessen Übersetzung, das "Buch der Natur" des Konrad von Megenberg werden in Hinblick auf die Bedeutung von Hund und Katze in der Heilkunde berücksichtigt.[145] Albertus Magnus, der in den letzten Kapiteln seiner Schrift "De animalibus" sich durch eigene Naturbeobachtung weit über das wundergläubige Mittelalter erhebt, bietet in dieser Beziehung zahlreiche Rezepte zur Heilung von Mensch und Tier. Berücksichtigung findet auch die Albertus-Magnus-Übersetzung aus der Zeit um 1440 von Heinrich Münsinger. Conrad Gesner dagegen referiert in seinem "Thierbuch" überwiegend die Volksmedizin seiner Zeit. Als Kuriosum aus der Geschichte der Heilkunde werden einige Beispiele aus der Therapeutik, die unter dem Namen "Dreck-Apotheke" fungiert, angefügt. Der Bereich Hund und Katze in der Heilkunde wird durch Äußerungen von Laien aus dem Beginn des 20. Jhs. abgerundet.

 

Der Hund in der Heilkunde

Seine Zunge bringt Wunden und Geschwüren von Mensch und Tier Heilung, wenn er sie beleckt.[146] Hundehaut heilt Arthritis,[147] Hundehaare sollen gegen den Biß tollwütiger Hunde wirken.[148] Sein Blut heilt andere kranke Tiere.[149]Aus Hundefleisch läßt sich eine Heilsalbe für Gelähmte herstellen: Die jungen, säugenden Hunde werden in Häfen gesotten bis sich das Fleisch von den Beinen löst, die Substanz wird erkaltet gestoßen und auf das Rückgrat und auf die lahmen Glieder geschmiert.[150] In der Dreck-Apotheke ist neben Urin der weiße Kot von großer Wichtigkeit für verschiedene Rezepturen gegen Zahnweh,[151] gegen Halsgeschwüre,[152] gegen Schwindsucht.[153] Fleisch, Lunge, Fett und Fell gelten als Heilmittel für Lungenkranke; Fett als Medikament gegen Frostbeulen, Quetschungen und andere Wunden waren den zu Beginn des 20. Jhs. befragten Vertrauenspersonen wohl bekannt.[154]

 

Die Katze in der Heilkunde

Den Werken der Hildegard von Bingen, des Thomas von Chantimpré und des Konrad von Megenberg gemeinsam ist die totale Absenz der Katze in der Organotherapie. Die Ursache ist völlig klar: Hildegard hält die Katze für ein dämonisches Tier und bezeichnet Herz und Fleisch als giftig. Thomas von Chantimpre und Konrad von Megenberg verabscheuten vermutlich dieses "unreine", "gehäßige" und "unkeusche" Tier, dem sie auf Grund ihrer Laster keinen Nutzen in der Heilung des Menschen zugestanden.[155] - Albertus Magnus dagegen übermittelt mehrere Heilmittel aus feliden Ingredienzien. Eine Medizin gegen Frauenleiden enthält Katzengalle,[156] zwei andere Arzneien bestehen hauptsächlich aus pulverisiertem Katzenfleisch.[157] Gesner[158] empfiehlt einen ganzen Katzenkopf pulverisiert gegen eine Augenkrankheit und ein Rezept aus Kot und Senf gegen Kahlköpfigkeit. Das von ihm als "wichtiges Heilmittel" beschriebene Aphrodisiakum, das von der Zibeth-Katze gewonnen wurde, verfehlte vermutlich bei gleichzeitiger Behandlung mit dem Mittel gegen Haarausfall seine Wirkung.[159] Im Hauptkatalog des WBÖ finden sich sehr viele Belege für die große Verbreitung von Katzenfleisch, Katzenfett, Katzenblut als Volksheilmittel[160] ebenso wie die Verwendung von Katzenfell gegen Rheuma, Gicht, nach Rippenfellentzündung, bei Tuberkulose.

Auch heutzutage wird Katzenfell in den verschiedensten Formen (von Bandagen bis zu Decken in der Größe von 190cmx90cm) als Volksheilmittel gegen Rheuma erzeugt.

Katzendarm wurde als “Katgut” in der Chirurgie noch im 20. Jh. als ideales Naht- und Unterbindungsmaterial verwendet, da er vom Körper rasch und vollkommen resorbiert wurde.[161]

 

g. Hunde und Katzen im Tierfutter

In Österreich gibt es vier Tierkörperverwertungsanstalten. In Lackendorf (B),  Leibnitz (St), Regau (OÖ) und Tulln (NÖ) werden tote Hunde und Katzen gemeinsam mit anderen verendeten Tieren und Schlachtabfällen zu Tiermehl weiterverarbeitet. Dabei wird ihnen das Fell nicht abgezogen.[162]  Nur in Regau (OÖ) werden die Heimtiere aussortiert und im Welser Müllofen verbrannt.[163] Das Tiermehl wird seit dem BSE-Skandal von 1996 in der EU nicht mehr an Wiederkäuer verfüttert, wohl aber an Schweine und Geflügel.[164] Das in Österreich benötigte Tiermehl stammt zur Gänze aus dem Inland.[165] Bis zu fünf Prozent des “Rohmaterials” für Tiermehl machen Heimtierkadaver aus. Nicht alle Heimtiere sterben eines natürlichen Todes infolge von Altersschwäche; mitunter werden sie -unterschiedlich lange und unterschiedlich intensiv- medikamentös behandelt, bevor sie sterben oder von Tierärzten eingeschläfert werden müssen. Über das Tiermehl gelangen die toten Heimtiere in die Nahrungsmittelkette. Lediglich im Bio-Landbau ist die Verfütterung von Tiermehl verboten.[166] 

 

h. Der Hund als Arbeitstier

In diesem Abschnitt sollen nicht die üblichen Funktionen des Hundes wie Jagd-, Schoß-, Wach- und Schäferhund betrachtet werden. Es geht um Einsatzbereiche des Hundes, die uns heute nicht mehr so vertraut sind. Zu den ältesten Aufgaben des Hundes zählt die Funktion als Zugtier.[167] Für die kleinen Wägen der Bauern, Handwerker und der Armen (Abb. 10) hatte der Zughund stets beträchtliche Bedeutung.[168] Einer der verschiedenen Erklärungsversuche für die Redensart "auf den Hund kommen" ist, daß infolge von Verarmung, das bisherige Pferdefuhrwerk durch ein Hundefuhrwerk ersetzt werden mußte.[169] Ferner bezeichnen Familiennamen wie Hundskerl, Hundskar(e)l, Hundskahrer einen Menschen, der ein Hundegespann besitzt.[170] Hunde wurden Pferden oder anderen Zugtieren vorgezogen, wenn die Aufgaben von Hunden problemloser gelöst werden konnte. So spannte man Hunde auch bei größeren Warentransporten vor Rollwagen, um Straßen passieren zu können, die für Kutschen zu eng waren.[171] Vor etwa zwanzig Jahren setzten Holzknechte in den unwegsamen Waldgebieten Oberösterreichs (im Mühlviertel) noch Schlittenhunde für den Holztransport ein.[172] In der österreichisch-ungarischen Armee wurde bis ins 20. Jh. Kriegsmaschinerie von Hunden gezogen.[173] – Im Bergbau spielte der Hund als Lasttier eine erhebliche Rolle. Vermutlich erhielt auch der bergmännische Förderwagen “Hunt” seine Bezeichnung vom Hund.[174] In dem 1556 erschienenen Handbuch für Bergbau und Hüttenwesen erläutert Georg Agricola in Wort und Bild die Funktion der Hunde bei der Eisenerzförderung: Die Erze wurden in schweinslederne Säcke gefüllt, die von Hunden mit Saumsätteln zu Berg und zu Tal getragen wurden.[175] Nach Agricola wurden Hunde als Lasttiere vorwiegend in “Noricum” bei der Eisenerzförderung eingesetzt. Das Bildnis von “Bartholomäus Khevenhüller und seiner ersten Frau Agnes” dokumentiert den Einsatz von Arbeitshunden in Kärnten um 1600: Im Hintergrund des Bildes sind Hunde zu erkennen, die die leeren Säcke bei der Eisenerzförderung bergan tragen. - Ein weiterer Einsatzbereich des Hundes war der Antrieb von Treträdern oder Trettrommeln unterschiedlicher Größe. Diese waren mit zahlreichen Sprossen versehen und wurden durch Mensch oder Tier, die im Inneren liefen, in Bewegung versetzt. Diese Hebezeuge fanden Anwendung im Baubetrieb beim Hochziehen von Lasten, in Schmieden zur Aufrechterhaltung des Schmiedefeuers oder bei Brunnen zum Wasserpumpen.[176]

Große Hunde spielten eine wichtige Rolle als Treiber von Viehherden vom Mittelalter bis zum Aufkommen der Eisenbahnen. So wurden etwa regelmäßig riesige Ochsen- bzw. Rinderherden zur Fleischversorgung der Monarchie aus Ungarn westwärts transportiert, die von Treiberhunden in Schach gehalten wurden.[177]

 

Während bei den oben angeführten Aufgabenbereichen des Hundes hauptsächlich seine natürliche Bewegungsfreude genützt wurde, geht es bei den folgenden Einsatzbereichen um die Ausnützung der Freßlust. In der Gerberei gehörte zur Vorbereitung der Häute die völlige Entfernung der Fleisch- und Fettreste. Üblicherweise erfolgte dieser Arbeitsvorgang auf dem Schabebaum mit dem Scherdegen. Die Redensart "Speien wie ein Gerberhund" läßt schließen, daß diese abgeschabten Fleisch- und Fettreste den Hunden (und zwar im Übermaß) vorgeworfen wurden.[178]

Nicht zuletzt sei auf die Bedeutung des Hundes bei der anatomischen Sektion verwiesen. Bei den bildlichen Darstellungen von Leichenöffnungen im Rahmen von Anatomie-Vorlesungen aus dem 17. und 18. Jh. finden sich häufig im Vordergrund Hunde. Ihre Funktion in diesem Zusammenhang scheint eindeutig: Manche dieser oft riesigen Bestien fressen Gedärme und andere Innereien offenbar unmittelbar nach der Öffnung des Studienobjektes durch den Professor (Abb. 11). Auf einen oft auf spätmittelalterlicher Tafelmalerei illustrierten Einsatzbereich des Hundes sei abschließend noch verwiesen: Er unterhielt als Partner von Spielleuten mit Kunststückchen das Publikum (Abb. 12).

Im 20. Jh. werden Hunde für Aktionen eingesetzt, die für Menschen unzumutbar sind. Im 2. Weltkrieg waren sie darauf dressiert, mit Bomben am Rücken Panzer außer Gefecht zu setzen; nach Beendigung des Krieges waren sie darauf abgerichtet, Minen aufzuspüren. Der unbemannte Satellit Sputnik II (Start am 3.11.1957) hatte die Hündin Laika an Bord. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl wurden Hunde verwendet, um in und um Tschernobyl die Radioaktivität zu messen. In Südafrika wurden scharfe, "auf Mann dressierte" Hunde gegen Aufständische eingesetzt. Abschließend sei an die nicht unbedeutende Rolle erinnert, die Hund und Katze bei Tierversuchen spielen.

 

6. Die soziale Stellung der Berufsgruppen, die mit der wirtschaftlichen Verwertung von Hunden und Katzen befaßt waren[179]

 

Bei der Betrachtung dieses Aspektes muß beachtet werden, daß die gesellschaftliche Bewertung zeitlich und räumlich etwas schwankte. Ganz generell läßt sich jedoch sagen, daß diese Menschen über Jahrhunderte zu den Randgruppen und Außenseitern der Gesellschaft gezählt wurden. Die Tätigkeit des Hundeschlägers wurde in manchen Orten dem Henkeramt zugewiesen. War dies der Fall, so wurde diese Arbeit vom Henker selbst oder von seinen Knechten durchgeführt. In anderen Städten warb man Fahrende, die sich gerade in der Stadt befanden, für diese Vernichtungsaktionen an. Sowohl der Henker als auch die Fahrenden zählten zu den "Unehrlichen Leuten", zu jener Bevölkerungsgruppe, die aufgrund unehrenhafter Tätigkeiten vor dem Gesetz rechtlos und von den Gnadenmitteln der Kirche ausgeschlossen waren. Bei den Henkern lag der Grund in ihrer Berufsausübung; die Ursache für die Unehrlichkeit der  Fahrenden war deren Unbehaustheit. Ziemlich tief auf der Stufenleiter der Verfemten befand sich der Abdecker (Schinder, Wasenmeister)[180] wegen seines Umgangs mit toten Tieren. Seine Aufgabe war die ordnungsgemäße Entsorgung gefallener Tiere, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Es war dies sicher eine abscheuliche, übelriechende Tätigkeit, die abseits der menschlichen Besiedlung durchgeführt werden mußte. Obwohl an der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Tätigkeit des Hundeschlägers und des Abdeckers kein Zweifel bestand, standen sie doch allerorten außerhalb der Gesellschaftsordnung. Auch topographisch zeigte sich ihr Randgruppendasein: Sie hausten am Rande oder außerhalb der städtischen oder dörflichen Begrenzungen. Die Kleidung dieser Ausgestoßenen unterlag bestimmten Vorschriften, damit sie von weitem erkannt werden konnten und unbewußter Umgang mit ihnen vermeidbar war: Der Kontakt mit Verfemten blieb als Makel an dem Betroffenen hängen. Unehrlichkeit war aber absolut nicht immer mit Armut gleichzusetzen. Gerade das Gegenteil war bei den Abdeckern der Fall. Sie waren allerorten durch den Verkauf von Rohstoffen, durch Leimkochen und durch die Herstellung von "Heilmitteln" für Menschen und Tiere ziemlich begütert. Mancherorts wurden sie für die Beseitigung der Tierkadaver entlohnt, mußten dafür aber die Häute und Felle abliefern. Menschen, deren Umgang mit den Abdeckern bekannt war, waren ebenfalls verfemt. Dies betraf in erster Linie Hundshautgerber, weil sie ihre Häute von den Abdeckern bezogen. Die Unehrlichkeit der Abdecker übertrug sich auch auf ihre Frauen und Kinder. Eine Heirat war (wenn überhaupt) nur innerhalb der "Ausgestoßenen" möglich. Dem Abdeckernachwuchs, der nicht das Erbe antreten konnte, waren die Zünfte und das Militär verschlossen. Viele verdingten sich als Knechte und Mägde wiederum bei Angehörigen der Randgruppen, ein großer Teil wurde, da ihnen jeder legale Gelderwerb unmöglich war, als Kriminelle eine wahre Landplage. Im Laufe des 18. Jhs. wurde in vielen Ländern die macula infamiae der Hundeschläger und Abdecker durch Gesetz aufgehoben. In der Österreichischen Monarchie erfolgte die Befreiung von diesem Makel 1771 durch ein kaiserliches Gesetz. Doch noch 1789 wird im "Buch für Kreisämter" die Frage erörtert, ob "etwa noch ein Weiß=oder Rothgärber bei Verarbeitung eines Hundes oder Katze, Anrührung eins Aases, Umgang mit Abdeckern... Wegschaffung, oder Vergrabung eines gefallenen Viehs, und Verarbeitung der Raufwolle für unehrlich gehalten" wird.[181] Es dauerte in der Praxis also, bis die Hundeschläger und Abdecker ihren "üblen Ruf" los wurden.

 

* * *

                            

Das Ziel dieser Arbeit war es, die ambivalente Beziehung des Menschen zu Hunden und Katzen aufzuzeigen: Einerseits wurden/werden Hunde und Katzen als wichtige Haustiere gehalten, andererseits wurden/werden sie als Rohstofflieferanten verwertet. In die Betrachtung aufgenommen wurden nur die gewöhnlichen Hunde der Bauern, der Handwerker, verwilderte Hunde und die über Jahrhunderte verachtete Katze, nicht aber die "edlen" Hunde. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Bedeutung dieser Tiere als Wirtschaftsfaktoren in unserem Kulturkreis. Die Quellenlage erwies sich als sehr unterschiedlich: schriftliche Quellen finden das Leben der gewöhnlichen Tiere zumeist nicht erwähnenswert. Allerdings lieferten archäologische Befunde und Bildquellen ausreichend Material. Es wurden nur solche Beispiele für Rohstoffverwertung in die Arbeit aufgenommen, die repräsentativ für die Themenstellung sind. Die herangezogenen Quellenstellen erlauben die Schlußfolgerung, daß Produkte in großer Vielfalt aus caniden und feliden Materialien hergestellt wurden: Aus Hunde- und Katzenhaut wurde Leder gegerbt, Hunde- und Katzenfell wurde zu Pelz veredelt, die Knochen beider Haustiere wurden verwertet, ebenso wie Fleisch, Fett, Innereien und Kot. Die Tötung und Verwertung getöteter bzw. verendeter Tiere erfolgte berufsmäßig meist durch Hundeschläger und Abdecker, die aufgrund ihrer Tätigkeit den Randgruppen zugezählt wurden. Erst im Laufe des 18. Jhs. wurde die "macula infamiae" durch Gesetzgebung aufgehoben, in der Praxis dauerte es aber länger, bis diese Berufe ihren "üblen Ruf" los wurden. Der Makel haftete an der Handlung des Tötens, und zwar nicht des Tötens im allgemeinen, sondern des Tötens von Hund und Katze.

Beim Hund liegt diese Haltung in einer Emotionalität begründet, die viele Menschen dem ältesten und treuesten Gefährten entgegenbrachten. Bei der Katze scheint Aberglaube die Hauptrolle gespielt zu haben. Der Makel übertrug sich nicht auf das Produkt. Als Verbraucher konnten vor allem Handwerker, Bauern und Randgruppen nachgewiesen werden. Ob durch die belegten Produkt- und/oder Kundentäuschungen auch Angehörige anderer Stände betroffen waren, läßt sich aus den Quellen nicht erschließen. Die schriftlich fixierten Rezepte mit tierischen Ingredienzien wandten sich allerdings an einen elitären Rezepientenkreis. Der Hund als Arbeitstier war vorwiegend bei Armen anstelle anderer Haustiere im Einsatz.

 

Heute, in einer Zeit der großen Gefühlsbindung an Hund und Katze werden Produkte aus Leder und Pelz dieser Tiere meist in Unkenntnis der Herkunft getragen. Unbekannt ist meist auch, daß Waschmittel, Cremen, Seifen zu einem wesentlichen Teil aus Tierfetten bestehen. Der bewußte Einsatz derartiger Produkte ist in der Volksheilkunde gebräuchlich, von manchen Exzentrikern im europäischen Kulturkreis wird das Fleisch als Delikatesse geschätzt. Denkbar wäre auch, daß Katzen- und Hundenahrung, die in der westlichen Welt gekauft wird, aus importiertem Hunde- und Katzenfleisch besteht.

 

Abkürzungen:

Jh.     : Jahrhundert

n. Chr. : nach Christi

v. Chr. : vor

B         : Burgenland

K         : Kärnten

      : Niederösterreich

      : Öberöstereich

S         : Salzburg

St         : Steiermark    

T       : Tirol

V       : Vorarlberg

W       : Wien

WBÖ:     “WÖrterbuch der bairischen Mundarten in Österreich”,

des Instituts für österreichischer Dialekt- und Namenlexika" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,[182] der insgesamt dreieinhalb Millionen Belegzettel umfaßt.[183] für die freundliche Hilfestellung bei der Benützung des Hauptkataloges danke ich Werner Bauer, Ingeborg Geyer, Erika Kühn, Elisabeth Schuster und Katharina Schusser. Die wichtige Grundlage des WBÖ sind Fragebögen, welche zwischen 1913 und 1932 in einem Sammelbereich, der "die jetzige Republik Österreich (ohne ...Vorarlberg)" und darüber hinaus die deutschsprachigen Gebiete der österreich-ungarischen Monarchie sowie alte "Bauernsprachinseln, soweit sie bereits im Mittelalter mit Kolonisten aus dem bairischen Raum besiedelt worden waren", umfaßt. Die Fragebögen wurden von etwa 500 sorgfältig ausgewählten und geschulten Vertrauenspersonen beantwortet. Diese Aktion brachte die wichtigsten Ergebnisse für die lexikographische und dialektgeografische Erforschung des deutschen Sprachraumes, aber auch reiches Material volkskundlicher Natur. Bis jetzt erschienen sind Lieferung 1-30 (A - Temper) unter dem Titel: Bayerisch-Österreichisches Wörterbuch: I. Österreich. Herausgegeben im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften von der Kommission zur Schaffung des Österreichisch-Bayerischen Wörterbuches und zur Erforschung unserer Mundarten. Bearbeitet von Viktor Dollmayr und Eberhard Kranzmayer unter Mitwirkung von Franz Roitinger, Maria Hornung und Alois Pischinger. Wien 1963ff, hier 1. Lieferung, Vorwort S. VII. In diesem Aufsatz mit der im Institut gebrauchten Sigle WBÖ zitiert.

 

 



* Der Artikel ist eine erweiterte Bearbeitung von "Der Mensch und seine Beziehung zu Hund und Katze" der Autorin, erschienen in: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 15/1999, hg. v. Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie, Wien.

 

[1] Wolf Herre – Manfred Röhrs, Haustiere - zoologisch gesehen, Stuttgart 1973.

[2] Friederike Johansson – Heidmarie Hüster, Untersuchungen an Skelettresten von Katzen aus Haithabu (Ausgrabung 1966-1969) Berichte über die Ausgrabung Haithabu 24 hg. v. Kurt Schietzel, Neumünster 1987, S. 10ff, besonders die dort verzeichnete Literatur.

[3] Für die mitunter vorkommende material- und sachbedingte Unausgewogenheit der Darstellung bitte ich um Verständnis: Die Ursache liegt in der sehr unterschiedlichen Quellenlage zu beiden Tieren. Für zahlreiche Hinweise bei der Stoffsammlung danke ich Ernst Englisch, Krems, Sabine Felgenhauer, Wien, Gundi Tarcsay, Krems und Georg Wacha, Linz.

[4] Dietrich Schmidtke, Geistliche Tierinterpretation in der deutsch-sprachigen Literatur des Mittelalters (1100-1500) Berlin 1968,  Bd. 1 S. 119-140; Georg Wacha, Tiere und Tierhaltung in der Stadt sowie im Wohnbereich des spätmittelalterlichen Menschen und ihre Darstellung in der bildenden Kunst. Das Leben in der Stadt des Spätmittelalters (Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs 2 = Sb. Ak. Wien, phil.-hist. Kl. 325) Wien 1977, S. 229-260; Helmut Brackert – Cora van Kleffens, Von Hunden und Menschen, München 1989,  S. 20-100.

[5] FRIDANKES Bescheidenheit,  hg. v. H.E. Bezzenberger, Halle 1872,  S. 193; Wolfgang Harms, Die Tiere in den Sprüchen und Sentenzen Freidanks. In: Lúomo di fronte al mondo animale nellálto Medioevo (Settimane di studio del centro italiano di studi sull´alto medioevo 31) Spoleto 1985, Bd. 2, 1003-1027.

[6] Der kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaften unter  Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter bearb. und hg. v. Konrad Ziegler und Walther Sontheimer, Stuttgart 1969, Bd. 3, S. 1246ff.

 

[7] Die Kuenringer. Niederösterreichische Landesausstellung. Zwettl. 1981. Stammbaum.

[8] Gertrud Blaschitz, Die Katze. In: Gertrud Blaschitz – Helmut Hundsbichler - Gerhard Jaritz - Elisabeth Vavra, Symbole des Alltags -Alltag der Symbole.  Festschrift für Harry Kühnel, Graz 1992, 589-616.

[9] Jakob Sprenger - Heinrich Institoris, Der Hexenhammer (Malleus maleficarum). Aus dem Lateinischen übertragen und eingeleitet von J. W. R. Schmidt, Berlin 1906, Ndr. München 1991, 10. Aufl. S.103.

[10]  Ebenda.

[11] Sigrid Schade, Schadenzauber und die Magie des Körpers, Worms 1983, S. 53

[12] Aus der Emeis von Dr. Johann Geiler von Kaisersberg. In: Zur Geschichte des Volks-Aberglaubens im Anfange des 16. Jahrhunderts. Basel 1875,  S. 3.

[13] Schade (wie Anm. 11) 54.

[14] Geiler, Emeis (wie Anm. 12) 38f.

[15] Schade (wie Anm. 11) S. 54ff.

[16] Schade (wie Anm. 11) S. 80.

[17] Schon Gesner 1563 beschreibt die Katze nur nach dem Werfen dem Hund gegenüber feindlich eingestellt (Conrad Gesner, Thierbuch, Zürich 1563, fol. 99r; Deutsch von Cunrat Forer. Inkunabel); E.T.A. Hoffmann, Lebensansichten des Katers Murr, beschreibt die Freundschaft zwischen dem Kater Murr und dem Pudel Ponto; (E.T.A. Hoffmann: Lebensansichten des Katers Murr. 2. Aufl. Berlin und Weimar 1984); vgl. auch Wilhelm Busch, "Hund und Katze" in: Friedrich Bohne (Hg.), Gedichte, Zürich 1974, S. 207.

[18] Vgl. dazu die Quellenbelege bei Jarnut aus dem Frühmittelalter, der den Wert eines Jagdhundes mit dem der kostbarsten Haustiere wie Pferd und Rind vergleicht: Jörg Jarnut, Die frühmittelalterliche Jagd unter rechts- und sozialgeschichtlichen Aspekten, in: L'uomo di fronte al mondo animale nell'alto medioevo, (Settimane di studio del centro italiano di studi sull'alto medioevo 31) Spoleto 1985, Bd. 1, S. 765-798, bes.  S. 771.

[19]  Wacha 1977 (wie Anm. 4), S. 237.

[20] Capitularia regum francorum 10,2 hg. v. Alfredus Boretius (MGH Legum sectio II) Hannover 1883.

Niederösterreichische Weisthümer 1884-1913, 4 Bde, hier: Bd. 2, S. 517: Es wurde verordnet, daß freilaufende Hunde vor Beginn des Gottesdienstes anzubinden seien; Friedrich Johann Fischer, Der Abdecker, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 65, Wien 1962, S. 71-95, hier: S. 77: Salzburg 1674: Nach dem erzbischöflichen Salzburger Generale vom 4. Aug. 1674 dürfen Hunde nicht mehr in die Kirchen mitgenommen werden. Der Freimann wehrt den Hunden, in die Kirchen, in den Dom einzudringen; Johann Christoph Adelung, Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart  Wien 1808, Bd. 2, S. 1326: Der Hundsvogt wartet die Hunde vor den Kirchen. - Während des gesamten Mittelalters wurde diese Unsitte gerügt: etwa von Sebastian Brant: Das Narrenschiff, hg. v. Manfred Lemmer, Tübingen 1986 (Neudrucke deutscher Literaturwerke N.F. 5)  S. 107f; vgl. dazu auch Wacha 1977 (wie Anm. 4) S. 240.

[21] Harry Kühnel, Beiträge der Orden zur materiellen Kultur des Mittelalters und weltliche Einflüsse auf die klösterliche Sachkultur. Klösterliche Sachkultur des Spätmittelalters (Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs 3 = Sb. Ak. Wien, phil.- hist. Kl. 367) Wien 1980, S. 9-29, hier S. 26: Den Petersfrauen in Salzburg wurde 1431 ausdrücklich aufgetragen, in den Zellen keine Hunde, Katzen oder Vögel zu halten;  Reinhard Schneider, Lebensverhältnisse bei den Zisterziensern im Spätmittelalter. Klösterliche Sachkultur des Spätmittelalters (Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs 3 = Sb. Ak.Wien, phil.- hist. Kl. 367) Wien 1980, S. 43-71, hier S. 58f und A.101 sowie S. 70: Auch in den Klöstern des Zisterzienserordens wurden immer wieder Jagd und die Haltung von Jagdhunden untersagt; Ernest Persoons, Lebensverhältnisse in den Frauenklöstern der Windesheimer Kongregation in Belgien und in den Niederlanden, in: Klösterliche Sachkultur des Spätmittelalters (Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs 3 = Sb. Ak.Wien, phil.- hist. Kl. 367) Wien 1980,

S. 73-111, hier S. 92: Die adelige Jutta von Ahaus mußte bei ihrem Klostereintritt als Zeichen der Demut ihre beiden Schoßhündchen ertränken.

[22] Siehe unten: 3. Tierhaltung.

[23] Friederike Tschochner-Werner, Hubert von Lüttich, in: Lexikon der christlichen Ikonographie  Bd. 6, hg. v. Wolfgang Braunfels, Rom, Freiburg, Basel, Wien 1974, S. 547-551.

[24] Jean-Claude Schmitt, Der heilige Windhund, Stuttgart 1982.

[25] Ignaz Zingerle, Die deutschen Sprichwörter im Mittelalter, Wien 1864, S. 79f; Karl Friedrich Wilhelm Wander, Deutsches Sprichwörter=Lexikon, Brockhaus 1870, Bd. 2, S.1168-1202; Lutz Röhrich, Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten 2, Freiburg, Basel, Wien 1992, Bd. 2, S. 817-827; Samuel Singer, Sprichwörter des Mittelalters, Bern 1944,  Bd. 1, S. 39; Bd. 1, S. 145f, Bd. 1, S. 69, Bd. 1, S. 93; Thesaurus proverbiorum medii aevi 1998, Bd. 6, S. 441-465.

[26] Heinz Küpper, Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. 5 Bde. 3.Aufl. Hamburg 1963-67, Bd. 3, S.  267: "unmusikalischer Lärm, mißtönende Musik [...] wird hergeleitet vom nächtlichen Geheul der verliebten Katzen".

[27] Robert Delort, Der Elefant, die Biene und der heilige Wolf. München 1987, S.  352.

[28]Zedler, Johann Heinrich, Großes vollständiges Universallexikon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig 1740, Bd. 23, S. 239f.

[29] Adelung  (wie Anm. 20) Bd. 2, S. 1527; Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 21. unveränderte Aufl. Berlin, New York 1975, S. 358.

[30] Antal Festitics, Über die Lust, Katzen zu töten,  Gastkommentar in der Presse am 2.11. 1996, S. 2.

[31] H. Schadewaldt, Allergisch bedingte Erkrankungen in zeitgenössischen Kasuistiken des 15.-18. Jahrhunderts, in: International archives of allergy and applied immunology 22,  Basel/München 1963, S. 187-204.

[32] E. T. A. Hoffmann (wie Anm. 17); Gottfried Keller, Sämtliche Werke und ausgewählte Briefe, München 1958, Bd. 2, 211-247.

[33] Cats-The world´s best-loved musical – The memory will live forever:com/films/catsvideo 220499/index.html

[34] Heiner Boberski, Das Engelwerk. Ein Geheimbund in der katholischen Kirche. Salzburg 1990, S. 151.

[35] Zu Beginn des Mittelalters gab es bei keinem germanischen Stamm rechtliche Einschränkungen der allgemeinen Jagdfreiheit. Diese vollzog sich unter den Karolingern nachdem die Anzahl und Bedeutung der Bauernkrieger abgenommen hatte und die waffentragenden Adeligen das Jagdrecht ausschließlich für sich in Anspruch nahmen. Der Besitz einer Waffe wurde ab der Jahrtausendwende "das wichtigste soziale Kriterium", die Jagd ermöglichte der sich herausbildenden "Kriegerkaste eine höchst willkommene Gelegenheit, ihre soziale Dominanz auch im Frieden sehr handgreiflich zu beweisen: ... So war die Jagd seit der Karolingerzeit allmählich zu der menschlichen Betätigung geworden, die wie keine andere in Friedenszeiten den Unterschied zwischen Potens und Pauper, zwischen Macht und Ohnmacht, demonstrierte." Jarnut (wie Anm. 18) S. 775-798.

[36] Niederösterreichische Weisthümer 1884-1913, 4 Bde.; Codicis  Austriaci 1704: Zur Verfügung gestellt von Gerd Jaritz (Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit) aus der "Historischen Umweltdatenbank Österreichs", Krems 1992 (erstellt im Rahmen des Projektes "Umweltbewältigung" an der Niederösterreichischen Landesakademie; die Umweltdatenbank ist im Augenblick verfügbar im IMAREAL); Gertrud Blaschitz, Tiere im Haus, In: Familie. Ideal und Realität. Katalog zur Niederöstereichischen Landesausstellung 93, Horn 1993, S. 286-297; hier: S. 292ff; Hans Wilhelm Eckhardt, Herrschaftliche Jagd - Bäuerliche Not und Bürgerliche Kritik. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 48) Göttingen 1976.

[37] Die Schweizer Bilderchronik des Luzerner Diebold Schilling 1513, hg. v. Alfred Schmid, Luzern 1981, Kommentarband S. 223.

[38] Codicis Austriaci 1704 (wie Anm. 36) S. 491, S. 496.

[39] Eckhardt (wie Anm. 36) S. 81.

[40] Josef Karlmann Brechenmacher, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. 2. Aufl. Limburg/Lahn 1957-60, S. 754f; Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon, München 1967, S. 255.

[41] Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales. Translated into modern English by Nevill Coghill) London 1973, S. 498; Blaschitz (wie Anm. 8) S. 592f.

[42]Gesta Romanorum, hg. v. Hermann Oesterley, Berlin 1872, S. 665; Fastnachtspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert hg. v. Adelbert von Keller (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 28-30, 46) Stuttgart 1853-1858,  Nachlese 1858, S. 1219.

[43] Caesarius von Heisterbach. Wunderbare Geschichten, hg. v. Paul Weiglin München o.J., S. 94ff.

[44] Auskunft von Gertrude Fetty, Konsumentenservice der Fa. Master Food, Bruck an der Leitha.

[45] Österreichisches Statisches Zentralamt (Kinder: 0-15 Jahre).

[46] Werner Danckert, Unehrliche Leute: Die verfemten Berufe, Bern 1963, S. 182.

[47] Walter Lehnert, Entsorgungsprobleme der Reichsstadt Nürnberg, in: Jürgen Sydow (Hg.), Städtische Versorgung und Entsorgung im Wandel der Geschichte, Sigmaringen 1981, S. 151-163, hier s. 156.

[48] In Übertragung lautet das Statement: "So hört mich, Jägermeister, auch! Mich hält mancher für einen narren, Ich fang jedoch mehr Wild als hundert Jäger. Daher, Ihr Herren, wundert mich sehr, daß Ihr oft nach Wildbret schickt. Wenn Ihr Euch mit mir arrangieren würdet, hättet Ihr ein lebtag genug zu essen." Fastnachtspiele (wie Anm. 42) Bd. 1,  S. 376.

[49] Michaela Laichmann, Hunde in Wien. Geschichte des Tieres in der Großstadt. Kleinausstellung des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Wien 1998,  S. 14; Jutta Nowosadtko, Scharfrichter und Abdecker. Der Alltag zweier “unehrlicher Berufe” in der Frühen Neuzeit. Paderborn, München, Wien, Zürich 1994, S. 146ff; Endres Tuchers Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg (1464-1475), hg. v. Matthias Lexer (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 64) Stuttgart 1862, S. 103,22,  S. 105,28, S. 112,1, S. 267,24,  S. 271,1; Würzburger Polizeisätze. Gebote und Ordnungen des Mittelalters 1125-1495, hg. v. Herrmann Hoffmann (Veröffentlichung der Gesellschaft für fränkische Geschichte, 10. Reihe: Quellen zur Rechts– und Wirtschaftsgeschichte Frankens) Würzburg 1955, S. 145.

[50] Laichmann (wie Anm. 49) S. 14; Harry Kühnel, Die städtische Gemeinschaft – Probleme und Lösungen, in: Alltag im Spätmittelalter, hg. v. Harry Kühnel, 2. Aufl., Graz, Wien, Köln 1985, S. 66.

[51] Friedrich Johann Fischer, Der Abdecker, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 65, Wien 1962, S. 71-95, hier S. 77.

[52] Laichmann (wie Anm. 49) S. 14f.

[53] Lehnert (wie Anm. 47) S. 156.

[54] Ebenda; Ernö Deak, “In guhter ruhe und stoltzer sicherheit...” Einige Aspekte des bürgerlichen Alltags, in: Othmar Pickl und Helmuth Feigl (Hg.): Methoden und Probleme der Alltagserforschung im Zeitalter des Barock (Veröffentlichungen der Kommission für Wirtschafts-, Sozial-, und Stadtgeschichte 5) Wien 1992, S. 143-170, hier S. 169.

[55] Ulf Dirlmeier, Zu den Lebensbedingungen in der mittelalterlichen Stadt: Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung, in: Bernd Herrmann, (Hg.), Mensch und Umwelt im Mittelalter,  S. 150-159, hier S. 154; Deak (wie Anm. 54) S. 169.

[56] Niederösterreichische Weistümer (wie Anm. 36)  Bd. 2,  S. 480; Bd. 1, S. 994; Bd. 1, S. 805; Bd.1, S. 890, Bd. 2, S. 319.

[57] Kühnel (wie Anm. 50) S.  61f.

[58] Nowosadtko (wie Anm. 49) S. 119f.

[59] Lehnert (wie Anm. 53) S. 158.

[60] Salzburger Nachrichten vom 14. August 1999, Artikel: ÖVP: In Wien leben rund 100.000 "illegale" Hunde; Telefongespräch mit Ing. Franz Bischof, MA 48, Straßenreinigung.

[61] Gertrud Blaschitz, Tierbestattung, in:  Familie. Ideal und Realität. Katalog zur Niederöstereichischen Landesausstellung 93, Horn 1993, S. 366-369.

[62] Giuseppe A. Bravo - Juliane Trupke, 100 000 Jahre Leder. Basel, Stuttgart 1970, S. 223-238.

[63] Vgl. dazu den Kinderreim: "Hinter Hüters Hunde-Hütt'n hängen hundert Hundshäut hinten", der im Hauptkatalog des WBÖ mehrfach überliefert ist, z.B. aus St. Lorenzen im Gitschtale (K) und aus Gerolding (OÖ.); siehe auch  6. Die soziale Stellung der Berufsgruppen, die mit der wirtschaftlichen Verwertung von Hunden und Katzen befaßt waren.

[64] Vgl. dazu Nowosadtko (wie Anm. 49) und siehe 6. Die soziale Stellung der Berufsgruppen, die mit der wirtschaftlichen Verwertung von Hunden und Katzen befaßt waren.

[65] Hildegard von Bingen, Physica, hg. v. Jacques-Paul Migne, in: Patrologia Latina 197, Paris 1855, Sp. 1327f; Hildegard von Bingen, Naturkunde, hg. v. Peter Riethe 4. Aufl. Salzburg 1989, S. 131.

[66] Berthold von Regensburg, Vollständige Ausgabe seiner Predigten hg. v. Franz Pfeiffer 1, Wien 1862, Bd. 1, S. 86,1f.

[67] Vergleiche dazu einen literarischen Beleg von 1759 vulgus calcificum ...iurans hyrcinum vendit quandoque [canin]um (sotularem), zit.nach: Theresia Payr, “Caninus”, in: Mittellateinisches Wörterbuch 1969,  Bd. 2,2, S. 162/12f.

[68] Thomas Cantimpratensis: Liber de natura rerum, hg. v. H. Boese, Berlin 1973, S. 116.

[69] Konrad von Megenberg Das Buch der Natur, hg. v. Franz Pfeiffer, Stuttgart 1861, S.  126,16ff.

[70] “Schuhe aus Hundeleder sind gut gegen die Gicht, riechen aber die Hunde das Leder, so pinkeln sie darauf.”

[71] Heiko Schäfer - Cathrin Patzelt, Schuhleisten u.a. Funde aus einem Rostocker Schacht des 14./15. Jahrhunderts, in: Wismarer Studien zur Archäologie und Geschichte 2, Wismar 1992, S. 48-57.

[72] Noch zu Beginn des 20. Jhs. wurden hundehäutene Schuhe getragen, allerdings mit den bei Thomas Cantimpratensis und Konrad von Megenberg bemängelten Nachteilen: hundshäutene Schuhe am Fuß seicht jeder Hund an: WBÖ im Gitschtale (K) und Windegg (OÖ).

[73] Danckert (wie Anm. 46) S. 181ff; Hans-Friedrich und Hellmut Rosenfeld, Deutsche Kultur im Spätmittelalter. (Handbuch der Kulturgeschichte 1, hg. v. Eugen Thurnher) Wiesbaden 1978, S. 94.

[73] Johann Georg Krünitz,: Öconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staats= Stadt=Haus= und Landwirthschaft Berlin 1795, Bd. 68 S.28f und S. 232.

[74] D. Gutscher, Schaffhauser Feingerberei, im 13. Jahrhundert, Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 61, 1984,  S. 149ff.

[75] Krünitz (wie Anm. 73) Bd. 68, S. 28 und S. 232.

[76] Ebenda.

[77]  Bravo -  Trupke (wie Anm. 62) S. 238.

[78] Otto Beneke, Von unehrlichen Leuten, Berlin 1889, S. 210f.

[79] Herders Konversationslexikon. 3. Aufl. Freiburg  1905, Bd. 5, S. 611; KRÜNITZ  1780 (wie Anm. 73) Bd. 21,  S. 461; Zedler, Johann Heinrich, Großes vollständiges Universallexikon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig 1740, Bd. 23, S.  446.

[80] Laichmann (wie 49) S.  11.

[81] WBÖ: Linz.

[82] Werner Gausche, Lederhandschuhe und Handschuhleder [o.O.] 1959, S. 25f.

[83] Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon, München 1967, S. 255; Hermann Paul, Deutsches Wörterbuch. 9. Aufl. Tübingen 1992, S. 451; Jacob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch. Photomechanischer Nachdruck der Erstausgabe, München 1984, Bd. 11, S. 290f; Carl Zuckmayer, Schinderhannes, in: Gesammelte Werke 3, Frankfurt 1960, Bd. 3, S. 167.

[84] WBÖ Hauptkatalog.

[85] Neithart Fuchs hg. von  Felix Bobertag, in: Narrenbuch (Deutsche National-Litteratur 11) Berlin und Stuttgart 1884, Nachdruck 1974, S. 165, vgl. dazu auch S. 282.

[86] WBÖ ebenda: Hundehaut: Strassburg, Umgebung (K): "Schuhriemen aus Hundehaut gelten als die dauerhaftesten und geschmeidigsten". Buch bei Hartberg (Stmk.): Hosenhalter. Julbach(bei Simbach am Inn): "Riemen zum Befestigen des Dreschflegels am Stab". Katzenhaut: Oberplan: (Tschechien): "daraus werden Tabakbeutel gemacht."

[87] Jahrbuch der Genossenschaft der Taschner in Wien und der Fachgenossenschaft der Ledergalanteriewarenerzeuger, Wien 1932, S. 15.

[88] Handbuch der Gerbereichemie und Lederfabrikation, 3/2, Wien 2. Aufl. 1955, S.  507.

[89] Ebenda.

[90] Mündliche Auskunft von Peter Steingraf, Geschäftsführer der Peter Steingraf GMBH & CO.KG, Bad Homburg.

[91] Siehe zum Folgenden: Norbert Spahn, Untersuchungen an Skelettresten von Hunden und Katzen aus dem mittelalterlichen Schleswig.  Ausgrabung Schild 1971-1975, in: Viktor Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig.  Berichte und Studien 5. Neumünster 1986, S. 25ff.

[92] Norbert Pudek, Untersuchungen an Tierknochen des 13.-20. Jahrhunderts aus dem Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck, in: Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte 2, Frankfurt 1980,  S. 107-201.

[93] Röhrich (wie Anm. 25) S. 768.

[94] Ebenda.

[95] Ebenda 767.

[96] Martin Hayneccius, Hans Pfriem oder Meister Kecks, hg. v. Theobald Raehse, Halle 1882, Vers 2014.

[97] Röhrich (wie Anm. 25) S. 768.

[98] Wilfried Pabst, Hessische Auswanderer in Paris (unveröffentlichtes Vortragsmanuskript 1983, zitiert in: Heinrich Sprankel, Essen in der Not: Mäuse und Ratten, in: Irmgard Bitsch, Trude Ehlert und Xenja von Ertzdorff, Essen und Trinken in Mittelalter und Neuzeit, Sigmaringen 1987, S. 157-164, hier S. 162f.

[99] Delort (wie Anm. 27) S. 362; Theodor Unger, Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers Bayerischem Wörtbuch, hg. von Ferdinand Khull (etc.) Graz 1903.

[100] Spahn (wie Anm. 91) S. 45.

[101] Ebenda 50ff.

[102] Pudek (wie Anm. 92) S. 124.

[103] Andreas Paul, Untersuchungen an Tierknochen aus dem mittelalterlichen Lübeck (Grabung Königstraße 59-63), in: Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte 2. Frankfurt 1980, S. 7-104; Johansson – Hüster (wie Anm. 2) S. 40-44;  Friederike Spitzenberger, Tierknochenfunde des Hausbergs zu Gaiselberg, einer Wehranlage des 12.-16. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 11. Köln 1985, S. 121-161, hier S. 125; Hans Reichstein, Einige Anmerkungen zu Katzenknochen und weiteren Haustierresten aus einer mittelalterlichen Kloake an der Holenbergstraße in Höxter, Westfalen, Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen 17, 1986, S. 311-318.

[104] Michael Beheim's Buch von den Wienern, hg. v. Theodor G. von Karajan 1462-1465, Wien 1843, S. 312,1; Der Renner von Hugo von Trimberg, hg. v. Gustav Ehrismann, 1 und 2 (Deutsche Neudrucke, Reihe: Texte des Mittelalters) Tübingen 1908, Ndr. Berlin 1970, Vers 12595ff.

[105] Michael Lindeners Rastbüchlein und Katzipori, hg. v. Franz Lichtenstein (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 163) Tübingen 1883, S. 160 und 172; Hans Rosenplüt, “Vom Werben der Jungfrau” in: Fastnachtspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert hg. v. Adelbert von Keller (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 29) Stuttgart 1853, S. 612-619, hier S. 618; Heinz Küpper, Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. 8 Bde. Stuttgart 1982-84, 1448.

[106] Brechenmacher (wie Anm. 40) S. 19.

[107] Paul (wie Anm. 83) S. 451.

[108] Heinrich der Glichesaere (hg. v. Spiewok 1977) Vers 1902, 1932f, 2014. Schmeller 1939, 1, 1571: Mudl: Katzenbalg, Pelz überhaupt. Mudelhauben, Pelzhauben; Pelzhaube mit Verbrämung von Katzenbalg, im Gegensatz zu Otterhauben.

[109] WBÖ Hauptkatalog; Gesner (wie Anm. 17) fol. 98b, 99b.

[110] Dil Ulenspigel (hg. v.  Lindow 1981): Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel, hg. v. Wolfgang Lindow. Nach dem Druck von 1515 mit 87 Holzschnitten, Stuttgart 1981, S. 160f; vgl. Röhrich (wie Anm. 25) S. 817.

[111] Küpper (wie Anm. 105) Bd. 4, S. 1448; A.J. Storfer, Wörter und ihre Schicksale, Zürich 1981, S. 219-228.

[112] Emil Brass, Aus dem Reiche der Pelze, Berlin 1925, S. 505-508: Zur Verwertung von Katzenfellen: "Die oft verächtlich erwähnten Katzenfelle bilden einen großen Handelsartikel". Jährlich kommen etwa 200.000 Katzen aus Holland, 170.000 aus Deutschland, 150.000 aus dem übrigen Europa, 300.000 aus Rußland in den Handel. Die meisten werden als Pelzfutter und als Schutzmittel gegen Rheumatismus verkauft. Zur Verwertung von Hundefellen: Hauptsächlich wurden chinesische Hundefelle verarbeitet, und diese vorwiegend zu Decken.

[113] Alexander Tuma, Pelzlexikon 2, Wien 1949, S. 115f. Die Art der Belästigung wird nicht erläutert. Denkbar ist jedoch eine ähnliche, die auch den Tragekomfort von Schuhen aus Hundeleder beeinträchtigt und ferner die in den Befragungsaktionen von Laien immer wieder geäußerten Behauptungen, Träger von Hundefell oder -leder würden von den lebenden Hunden äußerst aufgebracht angebellt.

[114] Menschen, Tiere, Pelze. Wissenswertes über Nutzung, Schutz und Ökologie von Pelztieren, Bern 1986, S. 44 und 53; Johanna Kroll - Christian Frankl (Bearb.), Jury Fränkel's Rauchwaren-Handbuch, Murrhardt 1976,  S. 128, 108ff; mündliche Auskunft von Peter Steingraf, Bad Homburg.

[115] Johannes Pauli, Des hochwirdigen doctor Keiserspergs narenschiff so er gepredigt hat zu Straßburg in der hohen stifft...Straßburg 1520; abgedruckt in: Walter Tauber, Das Würfelspiel im Mittelalter und in der frühen Neuzeit; eine kultur- und sprachgeschichtliche Darstellung, München 1987, S. 119-124, hier S. 121.

[116] Christian Reimers und Volker Vogel, Knochenpfeifen und Knochenflöten aus Schleswig, in: Volker Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig. Berichte und Studien 7. Neumünster 1989, S. 19-42.

[117]Hans-Joachim Barthel - Horst Stecher - Wolfgang Timpel, Eine mittelalterliche Produktionsstätte für Knochenspielwürfel, Alt-Thüringen 16, 1979, S. 137-169.

[118] Gesner (wie Anm. 17) fol.  88a; Delort (wie Anm. 27) S. 362.

[119] Reinhard Pohanka, Die Unbehausten: Arme, Randschichten und Fahrende Leute in und um die mittelalterliche Stadt, in: Gerhard Fischer (Hg.), Die Stadt und die Wildnis, Wien 1000-1500. Ausstellungskatalog Basel, Frankfurt 1992, S. 111-123. Materialien [1].

[120] Küpper (wie Anm. 26) Bd. 2, S. 235 und 315; Küpper (wie Anm. 105) Bd. 4, S. 1339f und Bd. 3, S. 1179; Herder (wie Anm. 79) Bd. 4, S. 1448f.

[121] Gerhart Hauptmann, Sämtliche Werke hg. v. Hans Egon Hass Bd. 1, Der Biberpelz, 480-542, De Waber/Die Weber, 319-479, Frankfurt/Main und Berlin 1966, hier S. 497 und 334.

[122] Zuckmayer (wie Anm. 83) S. 150.

[123] Fritz Curschmann, Hungersnöte im Mittelalter. Neudruck der Ausg. Leipzig 1900, Aalen 1970, S. 58; Sprankel (wie Anm. 87) S. 157-164; Paul Hugger, 2000 Jahre Bergbaukultur am Gonzen, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 90, Basel 1994, Heft 1, S. 131- 143, hier S. 137; Blaschitz (wie Anm. 8) S. 593.

[124] Beheim (wie Anm. 104) S. 127; Ferdinand Oppl, Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien, Zeitgenossen berichten. Wien, Köln, Weimar 1995, S. 29 und 185.

[125] Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, Leipzig 1939, Bd. 1, S.1128.

[126] Eduard Maria Schranka, Wiener Dialekt-Lexikon, Wien 1905;  Paul (wie Anm. 83) S. 158; Küpper (wie Anm. 105) Bd.  4, S. 1339f.

[127] Sprankel (wie Anm. 98) S. 160ff.

[128] Cornelia Becker, Die Nutzung von Tieren im Mittelalter zwischen Elbe und Oder. In: Bernd Herrmann (Hg.), Umwelt in der Geschichte, Göttingen 1989, S. 7-25, hier S. 20f; vgl. dazu Elke Naschold, “Der gedeckte Tisch”, Essen und Trinken in der mittelalterlichen Stadt, in: Praxis Geschichte 2, Braunschweig 1994, 42f.

[129] Wilfried Wendt, Untersuchungen an Skelettresten von Hunden. Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 13, hgg. von Kurt Schietzel. Neumünster 1978, S.  21.

[130] Spahn (wie Anm. 91) S. 26 und 48.

[131] Mostefa Kokabi, Die Fleischküche, in: Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300. Hg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der Stadt Zürich, Stuttgart 1992, 297ff.

[132] Gesner (wie Anm. 17) fol. 88a und 99b.

[133] Vgl. dazu stellvertretend für viele ein Zitat aus Wien: Hundfleisch wird von der ärmeren Bevölkerung häufig gegessen, namentlich in Großstädten werden Hunde zu diesem Zweck systematisch abgefangen.

[134] Gertrud Lauffs-Ruf, Die Katze im Volksbrauch und Volksglauben, Leipzig 1943 (Carnivoren-Studien 3) S. 12f.

[135] Emanuel Schmid und Ulrike Staudinger, “Die Kurfürstin liess Katzen und Mäuse braten...”, Tafelfreuden am Münchner Hof, in: Die anständige Lust; Von Eßkultur und Tafelsitten. Ausstellungskatalog des Münchener Stadtmuseums, hg. v. Ulrike Zischka, Hans Ottomeyer und Susanne Bäumler, München 1993, S. 80-112, hier S. 108.

[136] Vgl. dazu Belege aus dem Hauptkatalog des WBÖ: Melk (NÖ): "gilt bei einzelnen als sehr wohlschmeckend." Fuschertal (S): "Hundefleisch wird gegessen, gilt sogar bei vielen als Delikatesse."

[137] So etwa in der Fernsehsendung von Günther Jauch vom 23. 3.1994, 22:10 “stern TV Magazin” (RTL).

[138] Heiko Gebhardt, Du armer Hund. Hamburg 1978, S. 44.

[139] Orville Schell, Das mandat des Himmels. China: Die Zukunft einer Weltmacht. Berlin 1995.

[140] Delort (wie Anm. 27) S. 352; Beneke (wie Anm. 78), S. 92.

[141] Krünitz (wie Anm. 73) S. 29.

[142] Delort (wie Anm. 27) S. 352; Bernhard Haage, Zu deutschen Seifenrezepten des aus gehenden Mittelalters, in: Sudhoffs Archiv 1970, 54, S. 294-298, hier S. 297.

[143] Mündliche Auskunft von Peter Steingraf,  Bad Homburg.

[144] Hildegard (wie Anm. 65 Migne) S. 1327f.

[145] Thomas Cantimpratensis (wie Anm. 68)  S. 116; Konrad von Megenberg (wie Anm. 69) . 126, 16ff.

[146] Hildegard von Bingen (wie Anm. 65 Riethe) S. 131; Heinrich Münsinger, Von Falken, Hunden und Pferden. Deutsche Albertus-Magnus-Übersetzung aus der ersten Hälfte des 15. Jhs. hg. v. Kurt Lindner (Quellen und Studien zur Geschichte der Jagd 7/8, hg. von Kurt Lindner) Berlin 1962, 7-150, hier S. 141, 12f; Albertus magnus De animalibus libri XXVI. Nach der Kölner Urschrift hg. v. Hermann Stadler (Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters 15, 16) Münster 1916-1920, S. 1363, 6-9; Konrad von Megenberg (wie Anm. 69) S. 126, 5ff; Hugo von Trimberg (wie Anm. 104) Vers 2907.

[147] S. 5.a: Hund und Katze als Lieferanten von Haut.

[148] Gesner (wie Anm. 17) fol. 89b.

[149] Konrad von Megenberg (wie Anm. 69) S. 126, 18ff.

[150] Gesner (wie Anm. 17) fol. 88a/b.

[151] K. F. Paulini's heilsame Dreck-Apotheke. 1, Stuttgart 1847, S. 84: Nimm Hundsurin, Weyrauch, Hundszähne, jedes gleich viel, machs zu Pulver, thu Urin dazu, und legs über.

[152] Paulin (wie Anm. 151) S. 88: Weisser Koth eines Hundes, der Knochen gefressen hat und sonst nichts, im Julio oder Anfangs der Hundstage gesammelt, im Wasser vorher gekocht, und mit Maulbeersaft eingegeben.. ist gut gegen Halsgeschwür.

[153] Paulini (wie Anm. 151) S. 145: Gegen Schwindsucht wird das Klistieren mit Hundskot und Bier oder Wein empfohlen.

[154] WBÖ Hauptkatalog Senftenbach (OÖ): "Schmalz hilft bei Lungenleiden"; Puch (NÖ), Christofen (NÖ), Eidenberg (OÖ): Fleisch und Fett sind besonders gesund für Lungenkranke.

[155] Thomas Cantimpratensis (wie Anm. 68) S. 151f; Konrad von Megenberg (wie Anm. 69) S. 151f.

[156] Albertus Magnus (wie Anm. 146) 22,41: Galle vermischt mit Wasser, damit soll ein Schwamm getränkt werden, den Frauen bei Frauenleiden am Schambein tragen sollen.

[157] EBENDA: Fleisch der getöteten Hauskatze soll, nachdem es eingesalzen wurde, gestoßen werden und dann aufgelegt Pfeilspitzen und Dornen herausziehen; 23,99: gegen eine Augenkrankheit der Beizvögel: Häute eine Katze ab, trenne vom Körper die Eingeweide, Knochen, zerteile das Fleisch (...) und mache Pulver daraus. Dieses vermische mit dem Schmer einer Gans, des Bären und des Fuchses.

[158] Gesner (wie Anm. 17) fol. 101a und 100b: den Dreck dörren, mit gleichen Teilen Senf in Essig gestoßen, wirkt auf das Haupt gelegt gegen Haarausfall.

[159] Gesner (wie Anm. 17) fol. 100b: Felis zibethi: aus ihrer Scham wird ein Schleim, der in der Heilkunde große Bedeutung hat, gewonnen. Er befindet sich in einem blegly, verströmt einen edlen, starken Geruch, wird mit einem Löffel aufgefangen und in einem Horn aufbewahrt. Dieser wird höher als Gold gehandelt"; vgl. dazu MÜLLER 1934, 111: Die Zibethkatze war wegen ihres moschusartigen Sekretes sehr geschätzt.

[160] WBÖ: Klagenfurt (K): In der Umgebung von Ruden gibt man den schwangeren Frauen das Fleisch einer schwarzen Katze zu essen, damit das zu erwartende Kind nicht Gicht und Muskelschmerzen bekomme. St. Lorenzen im Gitschtale (K): Katzenfleisch gilt als gesünder als Rindfleisch, besonders gut für Auszehrende... Es wird, damit es den unangenehmen Geschmack verliert, in fließendes Wasser gehängt, gewässert einige Stunden lange." Linz (OÖ), Wien: Katzenfell wird bei Rheumatismus und Gicht auf die schmerzende Stelle gelegt. Hohenfurth (Böhmerwald): das Katzenfell wird warm (d.h. frisch abgezogen) bei Lungenkranken und rheumatischen Personen aufgelegt.

[161] Herder (wie Anm. 79) Bd. 2, 541;  Duden, Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 5. Aufl. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1992,S. 380.

[162] Lucie Loube´ vom Wiener Tierschutzverein in einem  Schreiben vom 6.7.1993 an die Autorin.

[163] Salzburger Nachrichten vom 4. August 1999, Artikel: Debatte um tote Heimtiere im Tierfutter, S. 1.

[164] Salzburger Nachrichten vom 23. Juli 1999, Artikel: Die Katze im Frühstücksei S. 3.

[165] Salzburger Nachrichten vom 23. Juli 1999, Artikel: Was steckt im Tierfutter, S. 3.

[166] Salzburger Nachrichten vom 23. Juli 1999, Artikel: “Bio” ist frei von Tiermehl, S. 3

[167] Otto König, Das Paradies vor unserer Tür, Wien, München, Zürich 1971, S. 264; Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, Wien 1919, S. 382.

[168] Hans Commenda, Volkskunde der Stadt Linz an der Donau 2, Linz 1959, S. 91: "Ebenso gehört heute die Linzer Marktgeherin der Vergangenheit an. Sie brachte, unterstützt von einem unermüdlichen Zughund, die Erzeugnisse ihres Bauernhofes auf einem kleinen, besonders gebauten vierrädrigen Wagen mit doppelter Hörnerdeichsel auf den Linzer Markt. Ihre letzten Vertreter verschwanden nach dem zweiten Weltkrieg".

[169] Röhrich (wie Anm. 25) S. 756 sowie 760. Diese Redewendung erfuhr eine Bedeutungserweiterung und wird heute auf einen moralisch, gesundheitlich oder materiell heruntergekommenen Menschen angewandt.

[170] Brechenmacher (wie Anm. 40) S. 757.

[171] Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, 9. Aufl. München 1991. 2 Bde, hier Bd. 1, S. 538.

[172] König (wie Anm. 168) S. 263ff.

[173] Ebenda und Kraus (wie Anm. 168) S. 635.

[174] Duden Etymologie (Der große Duden 7) Mannheim, Wien, Zürich 1963, S. 277.

[175] Agricola 1556, 137ff.

[176] Albrecht Kottmann, Bauen im Mittelalter (Schnell-Kunstführer 1077) München, Zürich 1976 S. 12.

[177] Laichmann (wie Anm. 49) S. 7.

[178] Grimm (wie Anm. 83) Bd. 5, 3590: wann er sich gefült hat gleich wie daz fasz, speiet er gleich wie ein gerber-hundt, Ulrich von Keisersberg, Narrenschiff, 312.

[179] Die folgenden Ausführungen basieren, falls nicht anders angegeben auf: Nowosadtko (wie Anm. 49) S. 118-194; Helmut Hundsbichler, “Unehrliche Leute”, in: Peter Dinzelbacher (Hg.), Sachwörterbuch der Mediävistik. Stuttgart 1992, S. 854; Franz Irsigler und Arnold Lassotta, Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker, Köln 1984; Hans Matschek, Der verfemte Beruf der Wasenmeister, in: Carinthia 1, 1990 (180/100.Jg.) S. 401-434; ders.,  Die Villacher Wasenmeister. Geschichten um ein anrüchiges Gewebe, in: Neues aus Alt-Villach (Jahrbuch des Museums der Stadt Villach 28) Villach 1991, S. 121-140; Rosenfeld (wie Anm. 73) S. 93ff; W. H. Ruoff, Vom Scharfrichter und Wasenmeister im alten Zürich, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 34, Heft 1, Basel 1935, S.1-27; Pohanka (wie Anm. 119)S. 51.

[180] Zum Substantiv Schinder ("Abdecker") gehört das Verb schinden, das möglicherweise von der indogermanischen Wurzel sken- mit der Bedeutung “abspalten” abgeleitet werden kann. Diese Form findet Entsprechung im Lateinischen scindere (gewaltsam trennen, spalten). Ahd. scinten bedeutet enthäuten, schälen, mißhandeln, mhd. schint: Obstschale. Die Bedeutung blieb im engl. "skin" lebendig. "Schinden" bedeutet im eigentlichen Sinne das Abhäuten von (gefallenen) Tieren. Die frühnhd. Substantivbildung Schund erscheint im 16.  Jh. mit der Bedeutung "Kot, Unrat" eigentlich: Abfall beim Schinden. Dazu entwickelte sich im 18. Jh. die Zusammensetzung Schindluder für gefallenes Vieh. Vgl. dazu Kluge (wie Anm. 29) S. 650 und 683. Die Berufsbezeichnung "Wasenmeister" leitet sich davon ab, daß die Berufsausübung im Freien, auf dem Wasen- bzw. Rasen stattfindet, oder davon, daß der "Meister" den Rasen abheben mußte, bevor er die Kadaver vergraben konnte.

[181] Joseph Kropatschek, Buch für Kreisämter oder Leitfaden zur Landes- und Kreisbereisung, Wien 1789.

 

 

 

 

 

 

 

[182] WBÖ; für die freundliche Hilfestellung bei der Benützung des Hauptkataloges danke ich Werner Bauer, Ingeborg Geyer, Erika Kühn, Elisabeth Schuster und Katharina Schusser.

[183] Die wichtige Grundlage des WBÖ sind Fragebögen, welche zwischen 1913 und 1932 in einem Sammelbereich, der "die jetzige Republik Österreich (ohne ...Vorarlberg)" und darüber hinaus die deutschsprachigen Gebiete der österreich-ungarischen Monarchie sowie alte "Bauernsprachinseln, soweit sie bereits im Mittelalter mit Kolonisten aus dem bairischen Raum besiedelt worden waren", umfaßt. Die Fragebögen wurden von etwa 500 sorgfältig ausgewählten und geschulten Vertrauenspersonen beantwortet. Diese Aktion brachte die wichtigsten Ergebnisse für die lexikographische und dialektgeografische Erforschung des deutschen Sprachraumes, aber auch reiches Material volkskundlicher Natur. Bis jetzt erschienen sind Lieferung 1-30 (A - Temper) unter dem Titel: Bayerisch-Österreichisches Wörterbuch: I. Österreich. Herausgegeben im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften von der Kommission zur Schaffung des Österreichisch-Bayerischen Wörterbuches und zur Erforschung unserer Mundarten. Bearbeitet von Viktor Dollmayr und Eberhard Kranzmayer unter Mitwirkung von Franz Roitinger, Maria Hornung und Alois Pischinger. Wien 1963ff, hier 1. Lieferung, Vorwort S. VII. In diesem Aufsatz mit der im Institut gebrauchten Sigle WBÖ zitiert.